Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918-1918)
- Issue
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 231 (sequence 232)
- Language
- German
- Belongs to
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231 sich. Kopf an Kopf; auf den Dächern hocken Menschen, und andere sitzen rittlings auf den Balken, die aus den Mauern unterhalb der Dächer herausragen; alle Altane sind voller Zuschauer ... Vor dem Rathause steht ein Tisch mit grünem Tischtuch, das mit goldenen. Fransen und Troddeln verziert ist. Um den Tisch herum sitzen auf vergoldeten Sesseln die Ratsherren in samtenen Gewändern und Zobelmützen mit weissen Federn und diamantenen Spangen* Und in der Mitte thront der Gerichtsherr; Adlerfedern wehen von seinem Hute. Etwas abseits steht gefesselt ein Judenmädchen. Und noch etwas weiter halten zehn Knechte ein wildes Pferd an den Zügeln fest. Und der Gerichtsherr erhebt sich von seinem Sitz., um den Gerichtsbeschluss zu verkünden. Doch zuvor wendet er sich an die Menge und sagt „Dieses Judenmädel hat eine schwere Missetat begangen, eine Missetat, die ihr selbst Gott bei all seiner Barmherzigkeit niemals vergeben würde . . . „Sie stahl sich nachts aus der Judenstadt heraus und ging an unserm heiligen Feste in den reinen Gassen unserer Stadt herum ... „Sie entweihte mit ihren frechen Augen das Aller heiligste, das man in der Prozession trug. „Mit ihren verruchten Ohren fing sie den Gesang unserer weissgekleideten, unschuldigen Kinder auf und die Klänge unserer Orgeln . . . Und wer weiss, ob der leibhaftige Teufel, der die Gestalt der verdammten Jüdin, der unreinen Rabbinerstochter angenommen hat, das Allerheiligste nicht auch berührt und befleckt hat? . . . „Was wollte denn der Teufel in dieser schönen Gestalt? Denn ich kann es nicht leugnen, sie ist schön, wie es nur eine Teufelin sein kann: seht nur die übermütig strahlenden Augen unter den fromm gesenkten Eidern! Seht nur das aläbasterweisse Gesicht, das im