Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918-1918)
- Issue
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 226 (sequence 227)
- Language
- German
- Belongs to
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226 guten Werke nicht überwiegen, können sich vor ihr die Tore des Paradieses nicht auftun . . . Darum soll die Seele heimatlos bleiben . . . Sie soll in der Mitte zwischen Himmel und Erde schweben, bis der Herr sich ihrer erinnert und sie in Gnaden aufnimmt.“ Und der Gerichtsdiener führt die Seele hinaus. Die Seele weint und beklagt ihr Geschick. „Was weinst du so? fragte sie der Diener; „Wenn dir auch die Freuden des Paradieses versagt sind, so wirst du dafür von den Martern und Qualen der Hölle nichts zu kosten bekommen!“ Doch die Seele ist untröstlich: „Die grausamsten Qualen der Hölle sind noch immer besser als nichts? Nichts — ist das Schrecklichste! “ Der Gerichtsdiener hat Mitleid mit ihr und gibt ihr einen Rat: „Fliege, du Seele, hinab und halte dich in der Nähe der lebendigen Welt auf... „Schaue nicht zum Himmel empor. . . Denn was kannst du von ihm sehen, wenn du nur von unten hinaufschaust? Doch nichts als Sterne . . . Und die Sterne sind strahlende, doch kalte Geschöpfe, sie kennen kein Mitleid, sie werden sich für dich nicht verwenden und werden Gott an dich nicht erinnern ... „Nur die Gerechten des Paradieses können für dich ein Wort einlegen. „Schwebe also, Seele,“ fährt der Diener fort, „in der Nähe der lebendigen Welt und siehe zu, wie man da lebt und was man treibt. Und wenn du etwas findest, was aussergewöhnlich schön und gut ist, so erhasche es und fliege damit hinauf: es soll ein Geschenk für die Gerechten im Paradiese sein. Und mit diesem Geschenke in der Hand sollst du an der Himmelspforte anklopfen und dich beim Engel, der die Pforte bewacht, melden und ihm sagen, dass ich es dir befohlen habe! . . .