Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918-1918)
- Issue
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 218 (sequence 219)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3135693-3135700--0722-3136446- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Ein Traum. „Bittere Klage erhebe ich an diesem Tage; Tränen überströmen meine Wange mir. In Seufzer und Stöhnen breche ich aus, erhebe Wehgeschrei. Gibt es einen Schmerz der dem meinigen gleicht?“ TISCHO BE AW. Ermüdet vom Fasten und Beten, sitzt Scheor Jaschub auf dem kalten Boden der alten Schul. Stundenlang schon klingen die alten Kinoth-Klänge an sein Ohr, und entführen ihn in vergangene Zeiten, er denkt an den Tempel, an Bethar, an Erez Isroel. Da sieht er im Süden den Choreb. Strahlenden Hauptes steigt Moses herab, in beiden Händen die steinernen Tafeln. Bald ist er amFusse und kommt der Wüstenebene schon näher. Er sieht die dicht aneinander gedrängten Zelte Jakobs. Plötzlich vernimmt er ungewohntes Geschrei, wie wenn taumelnde, trunkene Gestalten sich über etwas freuen. Einen solchen Lärm bei dem ruhigen und sittlichen Israel zu vernehmen, kann er nicht begreifen. Und wie er in das Lager kommt, da sieht er ein goldenes Kalb hoch aufgerichtet, und um dieses starre Bild herum tanzt das Volk Gottes in ausgelassener Freude, die einen opfern ihm, andere liegen ihm zu Füssen. Die Knie wanken dem Gottesmanne, Blitze des Zornes entfahren seinen Augen, die beiden Tafeln werden ihm schwer, und entsinken seinen Händen. Zerbrochen liegen sie da, zerbrochen die Worte: „Du sollst keine anderen Götter haben vor meinem Angesichte.“ — — Jubelnd werden sie umringt, staunend betasten sie die mächtigen Trauben, die sie zu zweien keuchend trugen. „Welch herrliche Datteln“, lässt der eine verlauten und „die Feigen und Oliven“ fügte der andere