Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918-1918)
- Issue
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 192 (sequence 193)
- Language
- German
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192 zum Eingriff vorbereitet. Wie man auch die zweite, bei der man wegen einer nicht ganz sicher festgestellten Darmgeschwulst eine Probeoperation auszuführen beabsichtigt, vorbereiten will, erklärt sie, man möge doch die Operation für vier Monate verschieben, sie müsse vorerst noch verschiedene Angelegenheiten zu einem Abschluss bringen, Zureden half nichts. Man berichtet deshalb dem Arzt, dass nur eine Operation stattfinden könne. Dieser ist umso weniger darüber missgestimmt, als er noch vieles an diesem Vormittage zu erledigen hat Nach dem glücklieh abgelaufenen ersten Eingriff meldet eine Schwester, die genannte Patientin habe sich nun doch zur Operation entschlossen. Der Arzt ordnet lächelnd an, dass man sie heraufführe. Wo in aller Welt hätte man aber in einem nichtjüdischen Spital solche Rücksicht auf die zagende, V or- und N achteile genau er wägende j üdischeV olks- Seele genommen! Und doch hängt das Leben der Patientin, das Glück eines Vaters und fünf unmündiger Kinder davon ab, dass jetzt der Eingriff vorgenommen wird; denn es erweist sich die vermutete Geschwulst als noch nicht weit fortgeschritten, bösartig, als solche, die noch entfernt werden kann, die aber in vier Monaten mit unabwendbarer Sicherheit unoperierbar geworden wäre. — Also geschehen am 3. Tage der עשרת ימי תשובה ת׳חע׳ח לפ׳ק Das jüdische Spital hat seit dem Jahre 1906 viele Hunderte unserer Brüder und Schwestern beherbergt, viel Unglück gelindert, manchen Trost gespendet, zahlreiche Menschenleben gerettet. Wenn wir das Wort unser er Weisen hier anwenden wollen, (1כל המקיים נפש אחת מישראל מעלה עליו הכתוב כאילו קיים עולם מלא, sokannderSpitaiverein sich seines Verdienstes tatsächlich freuen. Der gestrenge Tod hatte selten Eintritt in die Spitalpforten. Wenn er aber auch hier sein Opfer holte, dann *) Anmerkung der Redaktion: Wer uns ein Menschenleben erhält, der hat das Verdienst, als hätte er die Welt erhalten.