Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918-1918)
- Issue
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 193 (sequence 194)
- Language
- German
- Belongs to
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193 war die חברה קדישא Basels zugegen, welche den Todeskampf des Kranken liebevoll zu erleichtern suchte, und ohne von jemandem behelligt zu werden, ihre Funktionen ausführte, sofern der Kranke das Zeitliche gesegnet hatte. In Deinem Brief fragtest Du mich auch an, ob ich es für notwendig erachte, dass in andern Schweizerstädten die Errichtung solcher Spitäler einem Bedürfnis entspreche. Nach dem Ausgeführten wirst Du mir wohl zugeben müssen, dass ich kein Phantast bin, wenn ich diese Frage mit einem ja beantworte. Zwar denkt der Basler Spitalverein daran, bald mit einem Plane der Vergrösserung an die Oeffentlichkeit zu treten — ein an das Spital angrenzendes noch unbebautes Gelände harrt ungeduldig der Bebauung — nichtsdestoweniger aber dürfen andere Städte, vor allem Zürich, vor der baldigen Errichtung eines ähnlichen WohlfahrtsWerkes nicht zurückschrecken. Denn mancher schwerkranke Patient wünscht nichts sehnlicher als eine Pflege im jüdischen Spital, es ist ihm aber untersagt, wegen Reiseschwierigkeiten bis nach Basel zu kommen, das sich ja ohnehin gegenwärtig über schlechte Reiseverbindung beklagt. Du wirst, lieber Freund, natürlich auch jetzt beim Anschneiden der Spitalbaufrage auf Meinungsverschieden־ heiten aller Art stossen. Kürzlich sagte mir ein gar gelehrter Herr, es sei den Juden Spitalbehandlung' w schon deshalb nicht anzuraten, weil ja unsere Altvordern auch nicht in Spitälern behandelt wurden, sofern sie krank waren. Ich muss Dir wohl nicht sägen, dass es einfach lächerlich ist, mit solchen Gründen gegen ernste, für uns heilige Pläne zu agitieren; denn abgesehen davon, dass dies keine Ursache wäre, sich eifrig für die Errichtung von jüdischen Spitälern zu betätigen, ist ja darauf hinzuweisen, dass erst die Neuzeit, die nichtjüdische sowohl als die jüdische, die Segnungen der Spitalbehandlung erkannt hat und dass die sogenannten 13