Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918-1918)
- Issue
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 191 (sequence 192)
- Language
- German
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191 dass ein grosser Teil der jetzt in der Schweiz wohnenden Juden vor noch nicht allzu langer Zeit in der Schweiz ihren Wohnsitz genommen hat und dass die leider noch nicht vollständige Harmonie zwischen Ost- und Westjuden das einheitliche Schaffen stark hemmt. Aus dem oben Angeführten magst Du ersehen, dass der Bau speziell jüdischer Spitäler einer dringenden Notwendigkeit entspricht. Die Geschichte der Schweizer Judenheit wird sicherlich dem Gründungskomitee des Spitals einst Dank wissen, dass es, die verschiedensten Schwierigkeiten überwand und ein so schönes Werk geschaffen hat. Denn wisse, der Ausführung des Planes zur Errichtung eines solchen Spitals standen seiner Zeit nicht nur materielle Schwierigkeiten entgegen, sondern auch das Bedenken mancher Leute, die das psychotherapeutische Moment und das nationale Zusammengehörigkeitsgefühl unterschätzten und die Meinung vertraten, die Juden fühlten sich in nichtjüdischen Spitälern ebenso zu Hause, als wie in jüdischen! Andere wieder gingen in ihrer Verallgemeinerung so weit, zu behaupten, nur die sozial tieferstehende jüdische Bevölkerung bedürfe im Krankheitsfalle eines jüdischen Spitals. Die Gründer jedoch waren weitsichtig genug, die Ansicht zu verfechten, dass jedem kranken Juden, der noch jüdisch denke und fühle, damit ein Dienst erwiesen sei, dem einen im Krankheitsfalle zur Innehaltung unserer Speisegesetze, dem andern, damit es ihm vergönnt sei, unter Glaubensbrüdern zu leben, oder eventuell zu sterben. Sie waren sich wohl bewusst, dass in vielen Fällen rein funktioneller Krankheiten solche psychische Momente die Heilung beschleunigen und dass man auf die schwankende, durch die lange Goluszeit gedrückte jüdische Volksseele hier mehr Rücksicht nehmen könne. Soll ich Dir ein Beispiel nennen, wie ich dies verstehe? Zwei Patientinnen sind zur Operation für 10 Uhr angesagt. Die eine ist