Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918-1918)
- Issue
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 189 (sequence 190)
- Language
- German
- Belongs to
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189 Noch etwas ist mir von jener ersten klinischen Visite im Gedächtnis geblieben, was ich im Verlaufe der nächsten Monate täglich bestätigt fand, nämlich die Tatsache der für das psychotherapeutische Handeln des Arztes nicht unwichtigen, teil weisen psychischen Verschiedenheit der Nichtjuden und der Juden einerseits, der Ost- und Westjuden anderseits. Man kann über die jüdischen Verhältnisse Basels verschiedener Meinung sein, das eine aber steht fest, dass die Einrichtung des Spitals mustergültig genannt werden darf. Wenn ich Dich, mein lieber Freund, auch gerne gesund weiss, so hege ich doch den Wunsch, Du mögest im Krankheitsfalle Dich ins Basler israelitische Spital begeben. Du magst getrost Dich der tüchtigen Hand des durch seine Erfolge weithin bekannten Spitalarztes anvertrauen und wirst dabei weder die sorgfältige Pflege der Schwestern, noch die treffliche Versorgung aus der Küche missen. Die verschiedenen Zimmer sind praktisch und den technischen Errungenschaften der Neuzeit entsprechend eingerichtet. und auch an dem ganz modern ausgestatteten Operationssaal wirst Du Gefallen finden. Das sind aber alles Dinge, die Du auch in andern, nichtjüdischen Spitälern findest. Was aber dieses Krankenhaus von einem andern unterscheidet, das ist das jüdische Gepräge, das seinen Betrieb charakterisiert. So wird am שבת natürlich nur das verrichtet, was zur Pflege der Kranken absolut erforderlich ist. Du wirst dann und wann Klänge jüdischer, tiefempfundener Melodien erklingen hören, siehst bisweilen, wie eine Patientin sich freut, dass es ihr auch hier vergönnt ist, am Freitag״ Abend ihre שבת-Lichter anzuzünden. Nicht selten habe ich beobachtet, wie der ״gut שבת“ Gruss des Arztes das Gesicht von Rekonvaleszenten erglänzen liess, wobei ich mir dann jeweilen vorstellte, wie es wohl diesen Patienten jetzt zu Mute wäre, wenn sie