Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918-1918)
- Issue
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 184 (sequence 185)
- Language
- German
- Belongs to
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184 Dort findet ihr glühend im Schnee ein blutiges Zeichen von meiner Leidvollen Wandergeschichte . . . Gequält und zu Tode gemartert Floh ich und bin euch begegnet. Ihr schaut mich zweifelnd an und fragend? Seht, dieses Zeugnis steht euch Rede; Es ist von einer alten Thorarolle Ein welkes, angebranntes Stück, Drauf steht, besprengt mit meiner Brüder Blute, Das Wort des Herrn: „Du sollst nicht töten!“ „Willkommen, willkommen!“ so rufen die brausenden, stürzenden Wasser, So hallen die Berge es wider. Und feuerrot winkt von den Höhen die flatternde Fahne der Freiheit: O komm ich gewähre dir Ruhe! Doch will ich die Wahrheit gestehen: auf gab ich die Hoffnung auf Ruhe Und satt bin ich leeren »Geredes. Wohl liegt deine Pracht mir am Herzen, und doch ist mir, fremd deine Scholle; Wohl lieb ich das Echo der Berge, doch liegt deine Freiheit mir ferne. Was denn auch weiss ich von Freiheit? Wohin ich mich wende, da find ich Stiefmutter Galuth, die Liebe und Hass mir im Herzen entzündet. Verstehst Du’s wohl? Kennst Du die alte, die bittere Stiefmutter Galuth? Bleich ist ihr altes Gesicht, doch jugendlich frisch sind die Brüste, Es trägt ihre Schulter den Sommer, den Herbst die gerunzelte Lippe,