Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918-1918)
- Issue
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 179 (sequence 180)
- Language
- German
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179 er unaufhaltsam „Backschiisch“. Es war ein arabischer Bettler, der die Passanten um ein Almosen bat. Unter dem Schwarm von vielleicht einem halben Hundert Fliegen, welche die Gegend seiner Augen bedeckten, schien er nicht im Geringsten zu leiden. Als ich mich dem Armen näherte, um ihm ein Almosen zu reichen, da verzog sich sein Gesicht zu einer freudig strahlenden Miene. Yoll Dankbarkeit und mit einem Lächeln, das seine höchste Zufriedenheit auszudrücken schien, quittierte er die kleine Gabe. Mit einer Handbeweguüg verjagte ich die Fliegen von seinem Antlitz und wollte eben von dannen ziehen. Aber welch ein Anblick bot sich mir dar! Umsonst spähte ich näch den glänzenden Augen, welche ich in diesem vor Freude strahlenden Gesicht zu finden wähnte. Zwei leere Augenhöhlen starrten mir entgegen. Infolge einer schweren, eitrigen Augenentzündung hatte der Arme schon in früher Kindheit sein Augenlicht gänzlich eingebüsst. — Während meiner dreijährigen Praxis in Jerusalem hatte ich leider noch oft Gelegenheit, ähnliche Fälle zu sehen. Es kam vor, dass mir ein Beduine seine ganze Kinderschar in die Sprechstunde führte, wovon mehrere völlig erblindet waren. Auf meinen Bescheid, dass es absolut unmöglich sei, irgendwie zu helfen, konnte ich gelegentlich die Antwort bekommen: „Tut nichts, das ist alles von Gott, Allah ist gross“. — Es ist klar, dass in solchen Fällen menschliche Kunst versagt. Die Tätigkeit des Augenarztes besteht darm, solchen Jammer zu verhüten, und im Orient bietet sich ihm reichlich Gelegenheit, in dieser Beziehung im prophylaktischen Sinne zu wirken. Gegen vier Uhr nachmittags war ich in Pethach Tikwah, dieser durch ihr üppiges Wachstum gekennzeichneten Kolonie angelangt. Bekanntlich wurden vor Kriegsausbruch alljährlich für Hunderttausende von den wegen ihrer Grösse und ihres Wohlgeschmackes besonders