Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918-1918)
- Issue
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 178 (sequence 179)
- Language
- German
- Belongs to
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178 achttägigen Aufenthaltes mit dem Leben und Treiben im Orient schon ein wenig vertraut geworden war, wirkte j das gewiss interessante Strassenbild von Jaffa nicht derart auf mich, dass es meine Aufmerksamkeit hätte iv fesseln können. Aber wiewohl auch meine Umgebung j mich nicht sonderlich abzulenken vermocht hatte, war es mir doch schwer gefallen, meinem Bewusstsein klar zu machen, dass ich jetzt auf palästinensischem Boden wandle. Unaussprechliche Freude beherrschte mich. Ich ä war überglücklich. — Im Hotel angelangt, war ich in so gehobener Stimmung, dass ich eigentlich gar nicht in der Verfassung war, jetzt Sprechstunden abzuhalten. Aber es half nichts. Vor, während und nach dem Mittagessen musste ich Augen j untersuchen und Rezepte verschreiben. Soweit es sich um operative Fälle handelte, habe ich natürlich die Leute auf einen späteren Termin nach Jerusalem bestellt. Die viel gepriesenen jüdischen Kolonien, Pethach Tikwah, Rischon le Zion, Rechowoth, Ekron etc. liegen in Jaffas nächster Umgebung. Gleich am Tage meiner Ankunft in Palästina war mir vergönnt, eine jüdische Kolonie zu besuchen. Pethach Tikwah, dieser reichste und auch berühmteste Orangengarten Erez Israels, war mein Ziel. Die Wagenfahrt von Jaffa nach der Kolonie j dauerte ungefähr zwei Stunden und war sehr abwechs-; lungsreich. Jüdische Kolonisten zu Pferd und zu Esel begegneten mir. Ab und zu bemerkte ich Fussgänger. Mit einem herzlichen Schalom grössten wir einander. Mir war dieser schlichte „Schalom“ (= Friede) eine ganz ungewohnte, um so mehr aber sympathische Begrüssungsformel. — Auch vereinzelten Fellachen (= arabische Bauern) begegnete ich. Einer von diesen ist mir heute noch in lebhafter Erinnerung. Er sass ganz zusammengekauert am Wegesrande, sein rechter Arm war weit ausgestreckt. Mit eintöniger, wehmütiger Stimme rief