Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918-1918)
- Issue
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 175 (sequence 176)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3135693-3135700--0679-3136403- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
175 so geirrt hat, sind Sie, Herr Baron, und der Jude, der die Heiligung des göttlichen Namens höher schätzt, als Ehre und Vermögen, als Weib und Kind, das bin ich, meine Herrschaften — und wie ich, so denken alle meine gottesfürchtigen Glaubensgenossen!“ Bei diesen Worten überreichte Ahron dem Baron den Beutel, den er mitgebracht hatte. Der Freiherr goss den Inhalt desselben auf den Tisch, der ganz von dem blinkenden Golde bedeckt wurde. „Mein braver Ahron“, rief der Baron und umarmte den Juden; auch die Baronin trat herzu und drückte ihm die Hand; Baronesse Clara aber hatte genug zu tun, die reichlich fliessenden Tränen zu trocknen. „Gelobt sei der Gott Israels!“ rief plötzlich der Graf; „ich bekenne mich besiegt. Nauheim ich leihe Euch 10,000 Taler, 5000 für Euch und 5000 für Euren Rabbi Schimmel ben Scharlach oder wie der Mann geheissen hat. Kommt morgen nach Laubach und holt das Geld!“ Auch der Baron nahm die 5000 Taler nicht zurück. — Sprachlos vor Erstaunen stand Ahron da, als er die Geschichte des vermeintlichen Irrtums vernahm. „Gnädiger Herr Baron“, sagte er, „Sie hätten mich nicht in Versuchung führen sollen.“ „Das hat“, entgegnete der Baron, „auch meine Tochter gesagt, die ist besser als ich. An mir klebt noch die alte vorurteilsvoile Zeit. Gottlob, dass das heranwachsende Geschlecht ein besser denkendes wird!“ Als Ahron nach Hause kam und seiner Gattin das alles erzählte, erschrack diese heftig. Was wäre daraus geworden, wenn Ahron ihren Rat befolgt hätte? „Siehst Du,“ sagte Ahron, „nach dem heiligen Gotteswort muss der Mensch handeln und nicht nach eigener Ansicht!“ — \