Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1918-01-01 · 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918) · p. Seite 174

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918-1918)
Issue
3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918)
Date
1918-01-01
Page
Seite 174 (sequence 175)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
99% known words query
IRI
…/3135693-3135700--0678-3136402
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

selben Augenblick trat der Rabbi herzu, der seinen Schülern gefolgt war, um sich zu überzeugen, wie sie seinen Auftrag erfüllen würden, und er sprach: „Meine Kinder, wiegt wohl alles Geld in der Welt die Freude auf, den Namen unseres Gottes so geheiligt zu sehen?“ Ahron schwieg. Mit der grössten Aufmerksamkeit hatte alles ihm zugehört. Den Damen standen die Tränen in den Augen. „Bravo,“ rief jetzt der Freiherr,“ das war schön von Deinem Rabbi! Und was sagst Du, Heinrich?“ „Ihr könnt hübsch erzählen, Nauheim,“ nahm der Graf von Laubach das Wort; „ich habe nie bezweifelt, dass es auch ausnahmsweise gute Juden gibt.“ „Verzeihen Sie, Herr Graf, es gibt ausnahmsweise auch schlechte Juden; es gibt unter meinem Volke mehr gute als schlechte und die letzteren sind es grösstenteils durch den furchtbaren Druck geworden, unter dem man uns schon lange schmachten lässt.“ „Ah,“ entgegnete der Graf, „Ihr gebt zu, dass durch den langen Druck Eure Rasse verschlechtert ist, dass es heutzutage keine solchen Juden gibt, wie der Rabbi, von dem Ihr erzähltet!“ „Nicht doch,“ sagte Ahron, „es gibt heute noch viele Juden, die ebenso handeln würden. So kenne ich einen armen Mann, der ohne sein Verschulden sein Vermögen verloren hat und auf dem Punkte steht, Bankerott zu machen. Da zahlt ihm ein vornehmer Herr eine kleine Summe, irrt sich aber und rollt statt Viergroschenstücke Friedrichsdor ein. Die 5000 Taler, die der Jude auf diese Weise erhält, würden gerade hinreichen, seine Schulden zu bezahlen, seine Ehre zu retten und ihn mit Weib und Kindern vor Armut und Elend zu bewahren. Er aber zögerte keinen Augenblick, er eilt per Extrapost hin, um die Summe zurückzuerstatten, noch ehe man den Irrtum bemerkt. Der vornehme Herr, der sich

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.