Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918-1918)
- Issue
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 167 (sequence 168)
- Language
- German
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167 „Du hast Recht, meine Tochter,“ entgegnete der JBaron freundlich; „aber ich bin meiner Sache gewiss; ich kenne Ahron Nauheim schon lange und ich hoffe, unser Experiment soll ihm zum Heile ausschlagen.“ Noch denselben Abend wurden die mit Gold statt mit Silber gefüllten Geldrollen verpackt und zur Post befördert. II. In seinem Comptoir sass Ahron Nauheim, den sorgenschweren Kopf mit den Händen stützend. Er rechnete und rechnete und fand keinen Ausweg. „Fünfzehntausend Taler passiva und nur 10,000 Taler activa!“ sprach er vor sich hin, „wo soll das hinaus? Die Ersparnisse vieler Jahre sind dahin und ich bin mit Frau und Kindern auf einmal verarmt, gänzlich verarmt! 0, Gott hilf Deinem Knecht, auf Dich richtet sich unerschütterlich mein Vertrauen! Verlass mich nicht!“ „Vater“, rief ein kleines Mädchen zur Türe herein, „Rabbi Moscheh wartet im „Lernzimmer“ auf Dich!“ „Sag ihm,“ entgegnete Ahron, „er möge heute allein lernen!“ — »Ach,“ fuhr er fort, als das Kind sich entfernt hatte, „ich kann nicht, mein Kopf ist zu schwer — mein armer Kopf!“ Wieder öffnete sich die Türe und herein trat Riwkah, Ahrons treue Gattin. „Geliebter Mann,“ sprach sie, „wie schwer müssen Dich die Sorgen drücken, da Du die gewohnte „Sehiurstunde“ nicht einhältst.“ „0, mein Weib, mein teures Weib — ich kann, ich darf es Dir nicht länger verhehlen, ich bin ruiniert, bin nicht allein verarmt, gänzlich verarmt, ich bin auch bankerott!“ Riwkah bedeckte ihr Gesicht mit beiden Händen und weinte bitterlich.