Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918-1918)
- Issue
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 166 (sequence 167)
- Language
- German
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166 Verlegenheiten. Grosse Häuser in der .Residenz, mit denen er in Verbindung gestanden, haben ihre Zahlungen eingestellt. Wie mir heute mein Verwalter gesagt hat, genügen 5,000 Taler, den ehrlichen Ahron vom Untergänge zu retten. Ich habe ihm einen kleinen Posten von 300 Talern zu zahlen für Waren, die er mir besorgt hat. Ich will die Rollen statt mit Silber mit Gold füllen lassen, so dass die Summe statt 300 gerade 5000 Taler beträgt. Ich will diese 5000 Taler daran wagen, Dich, lieber Heinrich, von der Ehrlichkeit eines Juden zu überzeugen. Du sollst mir dagegen nur versprechen, künftig von Deinen vorgefassten Meinungen zu lassen.“ „Ich will noch mehr tun,“ entgegnete der Graf, „bewährt sich der Jude als ehrlich, so will ich ihm die 5000 Taler leihen, die ihm aus der Verlegenheit helfen.“ „Aber Ferdinand“, ergriff hierauf die Baronin das Wort, „wagst Du auch nicht zuviel? Bedenke, wenn Du auch Ahron stets als ehrlich kennen lerntest, so hat er sich doch noch nie in so misslicher Lage befunden; wird er dieser grossen Versuchung widerstehen können und wenn nicht — ist dann nicht das Experiment viel zu teuer bezahlt?“ „Ach, Johanna,“ entgegnete darauf der Baron, „wenn jemand, dem ich vertraut habe, zum Schurken würde, so wäre mein Glaube an die wundervollen Ideen der Neuzeit erschüttert; das würde mich mehr schmerzen, als der Verlust einer, wenn auch bedeutenden Summe Geldes.“ „Geliebter Vater,“ sprach darauf Klara, die siebzehnjährige Tochter des Freiherrn, „erlaube auch mir, eine Bemerkung zu ‘machen. Ist es denn auch wohlgetan, einen bisher rechtlichen Mann in eine solche Versuchung zu führen? Und wenn er diese nicht überwindet, trägt dann nicht der, welcher die Gelegenheit geboten, absichtlich geboten hat, einen Teil der Schuld?u