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Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1918-01-01 · 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918) · p. Seite 164

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918-1918)
Issue
3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918)
Date
1918-01-01
Page
Seite 164 (sequence 165)
Language
German
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164 Vorurteile. Gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts war es, da jene grossen geistgen Kämpfe sich entsponnen hatten, welche bald darauf in der französischen Revolution von 1789 den Erdball erschüttern sollten. Neue Ideen von Menschenrecht und Menschenwürde, von angeborener Freiheit und nimmer zu zerstörender Gleichheit aller Nachkommen des ersten Menschenpaares, durch wogten die Welt, fanden hier gläubige Jünger und eifrige Apostel, stiessen dort auf heftigen Widerstand* Auch auf die Gestaltung der Geschicke unserer Glaubensgenossen sollte die Entscheidung jener Fragen den grössten Einfluss üben. Noch herrschten überall in der Welt die absonderlichsten Vorurteile gegen die Söhne Judas und man glaubte noch ziemlich allgemein, wohl daran zu tun, dass man ihnen die edelsten Menschenrechte versagte. An einem rauhen Dezemberabende des Jahres 1781 sass der Freiherr von Buchensee in seinem gemütlich und wohnlich eingerichteten Gesellschaftszimmer mit seinem Freunde, dem Grafen von Laubach, beim Schachspiel. Draussen wütete ein entsetzlicher Schneesturm; desto behaglicher fühlte man sich in dem wohldurchheizten Baume; in der Nähe der Herren sassen die Damen des Hauses, mit feinen Stickereien beschäftigt; jedoch'weder das Spiel noch die Arbeit verhinderten es, dass eine lebhafte Conversation geführt wurde. Der Freiherr war ein eifriger Anhänger der neuen, von Frankreich kommenden Ideen. Früher im Staatsdienst stehend, hatte er längere Zeit in Paris gelebt und dort die grossen, tonangebenden Geister des Jahrhunderts persönlich kennen gelernt. Der Graf von Laubach hingegen war noch ganz von den Vor-

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