Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918-1918)
- Issue
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 147 (sequence 148)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3135693-3135700--0651-3136375- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
147 Gesunkenheit emporzuführen, eine Vorstufe für die Erkenntnis und Anerkennung des Schöpfers und der Postulate des Sittlich-Schönen, die aus dieser Anerkennung resultieren. Wenn wir eines ״Gottesbeweises“ bedürften, es wäre vielleicht dieser ״aesthetische“ zwingender als der vielgenannte teleologische, der die Zweckmässigkeit in der Welt zum Gegenstand hat. Wenn wir mit dieser Gesinnung Gottes Natur durchwandern und schauend in uns aufnehmen, wie wird sie uns erheben und erleuchten! Was sagt uns doch nicht schon der kleinste Ausschnitt aus der schönen Natur, eine Blume! Ihr Duft — רוח) — ריח) — vermittelt uns einen über dem Körperlichen schwebenden, beinahe geistigen Genuss. Ihre Gestalt und Form, — welch wunderbar duftige Architektur, beinahe Architektur des Duftes —, — ihre Farbe — der Körper gewordene Lichtstrahl — erfüllen uns mit Freude und Entzücken. Die Freude an Blumen, die wohl jeder, auch der einfachste Mensch empfindet, ist ein unbewusstes Verständnis für die Schönheit der Natur ohne utilitaristischen Beigeschmack. Steht die Blume im Garten, im Feld, welche Schönheit bietet dann ihre Vereinigung mit anderen Kindern des Lichtes, ihr Stehen im Bilde des Ausschnittes aus der Landschaft, den das Auge als harmonisch in sich abgeschlossenes Ganzes in sich aufnimmt. Auch der Baum ist schön. Ein Bild der Kraft nach oben in der Schlankheit der Tanne und Fichte, der allseitig entwickelten Kraft in der hohen und breiten Wucht der Eiche und Buche. Und nun die Vereinigung dieser Baum- Individuen in den Wäldern! Das sind Inseln der Urwüchsigkeit, gemacht zu Stunden der Einkehr, in denen die Seele — wie es im Volkslied heisst — erhebend empfindet: ״Der liebe Gott geht durch den Wald“. Wie formt sich das Wasser, die an und für sich nüchternste Lebensnotwendigkeit, im Bilde der Landschaft zum Quell