Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918-1918)
- Issue
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 143 (sequence 144)
- Language
- German
- Belongs to
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143 Ueber Naturschönheif. Die Betrachtung der Natur im umfassenden Sinne des Kreislaufes von Werden und Vergehen ist so alt wie das Denken. Ist sie ja auch das einzige Material, das sich zunächst dem Menschen zur Erklärung des Rätsels ihres und in ihr auch seines Seins bietet. Neueren Datums ist dagegen die Betrachtung der Natur nach der aesthetischen Seite. Schönheit zu suchen und zu finden in einzelnen Gebilden der Natur oder im Gesamtein druck eines grösseren Ausschnittes aus ihr ist der Menschheit erst spät psychisches Bedürfnis geworden. In der „Neuen Heloise“ von Rousseau, dem grossen Führer zur Natur, findet sich die erste literarisch-aesthetische Schilderung einer Landschaft. Dass diese gerade das herrliche Gestade des Genfersees betraf, war vielleicht von Vorbedeutung für Verständnis und Schwärmerei für die landschaftliche Schönheit, von denen in der Folge mehr und mehr weite Kreise der Kulturmenschheit ergriffen wurden. Landschaftliche Schönheit und Schweiz sind zu einer Ideenassociation geworden. Wer an Schönheit in der Natur denkt, denkt an die Schweiz als deren Inbegriff. So dürfte es nicht zu fern liegen, im „Jüd. Jahrbuch für die Schweiz“ über Naturschönheit zu sprechen. Da es ein „jüdisches“ Jahrbuch ist, so ist von vornherein gegeben, dass . der besondere jüdische Standpunkt bei der Betrachtung und Bewertung der Naturschönheit, sich geltend machen will. „Jüdischer Standpunkt bei Betrachtung der Natur und ihrer Schönheit“! Ich sehe im Geiste manchen begeisterten Naturschwärmer, der vielleicht, eben weil er es ist, diesen Aufsatz zuerst aufgeschlagen, ihn verdrossen Umschlägen. Er findet, die Freude an der Natur sei sich