Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918-1918)
- Issue
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 134 (sequence 135)
- Language
- German
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134 £as Leinen (Krias hafhora). Das „Leinenu, worunter seit erdenklichen Zeiten das Vorlesen des jeweiligen Wochenabschnittes aus der heiligen Schrift verstanden wird, bildet an Sabbath-, Fest-, Halbfeier- und Trauertagen, wie ,auch am Montag und Donnerstag, selbst an gewöhnlichen Wochentagen, den Mittelpunkt, ja man kann sagen, den Höhepunkt unserer gottesdienstlichen Veranstaltung. Ursprünglich hatte es noch nicht an jedem Orte, wo mindestens 10 Juden beisammen waren, eine Heim- und Pflegestätte gefunden, wie es heute der Fall ist. Es wäre dies auch gar nicht denkbar gewesen, zu einer Zeit, da Israel noch auf seiner Scholle sass und es ausser dem „Bes hamikdasch“, den heiligen Tempel, wohin das ganze Volk dreimal des Jahres wallfahrte, um vor dem Allmächtigen zu erscheinen, nur wenige Gotteshäuser gab. Auch bestand die Einrichtung des „Leinen“ am Sabbath zu Mincha und am Montag und Donnerstag erst seit der Zeit der Propheten (denn nach dem Talmud, Traktat Baba kama Seite 82, I. ist dies nicht von Esra nnd Nehemja erst eingerichtet worden.) Demnach war das „Leinen“, schon in unseren ersten Anfängen, nicht eine (?e7e7ir£m-Beschäftigung, sondern eine wahre Volkssache. Ausser den Gemeinden sollte auch das ganze Volk, Männer, Frauen und Kinder, am Brachjähre, die ganze Thora in feierlicher Versammlung, in Gegenwart der „Grossen“ und „Kleinen“, Vornehmen und Geringen, Gelehrten und Minderwissenden, ganz ungeteilt, in einem geschlossenen, klaren Bilde, vernehmen und auf sich wirken lassen. Wie nach den sechs Tagen der Arbeit der siebente Tag der Euhe, der Stärkung und Erhebung des Geistes folgt, so folgte damals nach den sechs Jahren