Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918-1918)
- Issue
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 129 (sequence 130)
- Language
- German
- Belongs to
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129 bestrafen. Er darf sogar nötigen Falles den Uebertreter hinrichten lassen. Es ist ihm indes — um einem Missbrauch von seiner Seite vorzubeugen — untersagt, Geldstrafen aufzuerlegen. Tut er dies dennoch, so gilt es als Raub. (Hilchoth Melachim 3, 8.) Während man mit einer Mizwah beschäftigt ist, braucht man einen königlichen Befehl nicht zu befolgen. Es gehört zu den Rechten des Königs, Mörder töten zu lassen und er ist hierbei nicht an die äusserst strengen -Normen der Beweisaufnahme, wie diese vor den öffentlichen jüdischen Gerichten gelten, gebunden. (Hilchoth Melachim 3, 10.) Ueberhaupt hat der davidische König, wenngleich er dem Gerichtshof nicht angehören kann, die Berechtigung zur Rechtspflege. Das Ideal ist: ״der König fördert die Welt durch Gerechtigkeit“ (Sprüche 29, 4). Der davidische König untersteht der Gerichtsbarkeit des Obersten Gerichtshofes. Zu den Pflichten des Königs gehört auch, alle 7 Jahre am Sukkothfeste im Vorhofe des Tempels vor versammeltem Volke persönlich aus der Thora vorzulesen, ״damit sie hören, und lernen, und fürchten den Ewigen, Euren Gott, und beobachten alle Worte dieser Lehre“ (Deut. 31, 12). Das Königtum, wie jede Beamtung im jüdischen Staate, ist grundsätzlich erblich, sofern wenigstens der Sohn die nötigen Fähigkeiten — hierzu gehört besonders die Gottesfurcht — zum Amte hat. Wir wollen zum Thema ״König“ noch auf die interessanten Ausführungen von Abarbanelzu(Deut-) 17,14verweisen, worin dieser jüdische Gelehrte, der als spanischer Minister doch sicherlich imstande war, über politische Probleme zu urteiten, sich ausführlich, mit der Frage ״Königtum oder Republik“ befasst und die Vorzüge der republikanischen Staatsform betont. Auch erörtert er die Frage, ob ein König, der ernstlich gegen das Gesetz verstösst, abgesetzt werden darf und er kommt hierbei zu einer verneinenden Antwort. 9