Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918-1918)
- Issue
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 122 (sequence 123)
- Language
- German
- Belongs to
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122 der Protestanten, die die Priesterherrschaft brachte, wurde als Sieg der Religion gepriesen, und der Regierung geschmeichelt, welche diesen Sieg zu erringen half, aber die Folgen dieser Siege der religiösen Heuchelei und innerer Verderbtheit konnten auch nicht lange ausbleiben. An der Zerrüttung und Fäulnis aller Zustände der Gesellschaft und Sitte, die in Frankreich zu Ende des XVIII. Jahrhunderts herrschte, hatte die Geistlichkeit, die alles Geistliche verloren hatte, den grössten Anteil, ging sogar mit verderblichem Beispiel voran. Was Wunder, wenn nun manche die Religion für die Auswüchse der Geistlichkeit beschuldigten, und je mehr Elend und Verderben der Priester Einfluss hervörbrachte, um so stärker musste nun der Gegenschlag erfolgen, um so energischer mussten gerade die geistig begabteren und sittlich stärkeren sich von ihr abwenden. Der Materialismus der Enzyklopädisten hat weder eine philosophische noch eine naturwissenschaftliche Begründung, sondern nur eine soziale. Dasselbe gilt auch von der materialistischen Sinnflut, die in Deutschland um das Jahr 1848 hereinbrach : wie Vogt, Büchner, Feuerbach u. a. Wenn diese zuweilen als Philosophen bezeichnet werden, so ist es nur cum grano salis zu verstehen. Das sind vielmehr redegewandte, schlagfertige Schriftsteller, denen es vielmehr um die schöne Phrase, als um die reine Wahrheit zu tun ist, und die auch nicht zurückschrecken, wissenschaftliche Absurditäten auszusprechen, wenn sie nur dadurch des Lachens und der Gunst ihres Läienpublikums sicher sein können. — Nur so ist zu erklären, wie Karl Vogt mit seinem bereits oben erwähntem Schlagwort, vom Gehirn als Gedankenabsonderungsdrüse, Erfolg, wenn auch nur zeitweiligen, haben konnte. Wie ich schon gesagt habe, ist immer der Stein des Anstosses für die Anhänger der mechanistischen und materialistischen Erklärungen die Frage der Zweck-