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Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1918-01-01 · 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918) · p. Seite 116

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918-1918)
Issue
3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918)
Date
1918-01-01
Page
Seite 116 (sequence 117)
Language
German
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116 Fragen von Gott, Seele und Freiheit weggenommen, und sie als Postulate, Forderungen bewiesen hat. Noch in seinem ersten Buch, in der Kritik der reinen Vernunft, kämpfte er gegen Berkeley, der einen Gott als Ursache der Welt und der Wahrnehmung braucht, während er mit einem, nebenbei bemerkt, problematischen und mystischen Begriff des Dinges an sich auskommen zu können glaubte, doch einige Jahre später, in der Kritik der Urteilskraft, schreibt er: „Nach der Beschaffenheit und den Prinzipien unseres Erkenntnisvermögens müssen wir die Natur in ihren uns bekannt gewordenen zweckmässigen Anordnungen nicht anders, als das Produkt eines Verstandes, dem diese unterworfen ist, denken.u ' Die zähe Lebenskraft des Materialismus, der trotzdem bis auf heute Verteidiger noch finden kann, erinnert uns an die berühmte Erzählung der Hydra, der stets 2 neue Köpfe spriessen, wenn der eine abgeschlagen war. Immer wieder bekommt der Materialismus Hiebe auf Hiebe und immer wieder macht er neue Anstrengungen sich zu erhalten. Das erklärt sich vollständig durch meine am Anfang aufgestellte Behauptung, dass der Materialismus ein Trieb ist, ein instinktives Verlangen nach Freiheit und Unabhängigkeit, weshalb er immer wieder auftritt, sobald die Vernunft ihre Zügel freilässt. Hat doch nur auf dem Boden des Materialismus der Epikureismus, wie der heutige Nitscheanismus auswachsen können. Wir sehen auch, dass die Systeme, welche gegen den Materialismus in Kampf geführt wurden, von Aristoteles bis Descartes und Kant durch ihre Tiefsinnigkeit, durch ahnungsvolle Geistesblitze und anregende Gedanken sich auszeichnen. An solchen Schätzen ist der Materialismus arm. Von Thaies bis Feuerbach, Büchner und Häckel sind es dieselben Prinzipien^ gegen welche der Materialismus ohne Waffen steht, und die ihm immer zum Stein des Anstosses und des Verderbens bleiben werden,

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