Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918-1918)
- Issue
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 113 (sequence 114)
- Language
- German
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113 Soll dies alles durch ein wirres Spiel der Atome, durch ein gedankenloses Trennen und Verbinden zustande gekommen sein? Kein Wunder, dass diese vagen Theorien immer, im Altertum, wie in unserer Zeit, nicht lange aufrecht erhalten werden konnten. Noch vor kurzer Zeit galt jede Kritik der Darwinschen Lehre als Klerikalismus und Reaktion, doch bricht sich jetzt allmählich die Erkenntnis Bahn, dass es mit dem Darwinismus eine arge Täuschung gewesen ist und auch von den zweifellos streng wissenschaftlichen Universitätskathedern werden immer mehr Stimmen gegen den Darwinismus laut, so z. B. Ed. v. Hartmann, Dr. G. Wolff u. a. m. Im Altertum folgten auf die ähnlichen materialistischen Theorien des Demokrit und Empedokles, um nur die allergrössten Geister zu nennen, Plato, der allerreinste Idealist und Aristoteles, der Dualist. Diese zwei Philosophen herrschen das ganze Mittelalter hindurch. Das Mittelalter hat keine selbständigen Gedanken geschaffen und bewegte sich in den Bahnen der Platonischen und Aristotelischen Gedankenwelt, weshalb ich diese Zeit übergehe und mit der neueren Philosophie beginne. Gleich an ihrem Anfang, zu Beginn des 16 Jahrhunderts, treffen wir Descartes. Dieser begann mit einem „in omnibus dubito“ : an allem zweifle ich, ich zweifle auch daran ob ich selbst da bin, vielleicht träume ich nur. Kommen doch auch im Traume Vorstellungen vor, die in der Wirklichkeit nicht da sind, wir sehen Berge, Bäume, kurz, eine ganze Aussenwelt, während sie in der Wirklichkeit gar nicht existiert. Von diesem Skeptizismus kam man aber nach tieferem Nachdenken und langen Kämpfen zum Okkasionalismus; dieser besagt: wir können die Erscheinungen der Aussenwelt, wie der Innenwelt, als auch die Wechselwirkung zwischen Aussen- und Innenwelt nur dadurch erklären, dass wir annehmen, es finde bei jeder Gelegenheit ein besonderer concursus d. h. Eingreifen Gottes statt. 8