Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1918-01-01 · 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918) · p. Seite 103

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918-1918)
Issue
3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918)
Date
1918-01-01
Page
Seite 103 (sequence 104)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3135693-3135700--0607-3136331
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

leugnet. Rabbiner Hirsch in seinen „Grundlinien zu einer jüdischen Symbolik“ sagt: „Die Erfüllung des Gesetzes war den modernen Zeitbestrebungen lästig geworden; mit einem mutigen Schritte hatte die Praxis eines grossen Teils der Zeitgenossen den lästigen Hemmschuh beiseite geworfen und forderte nun laut pochend von der nachhinkenden Theorie eine systematische Rechtfertigung des bereits vollzogenen fait accompli. Die Theorie liess auch nicht lange auf sich warten.“ Nicht der reine Verstand schafft also diese Theorien, sondern der Wille und das Verlangen nach Freiheit sind die ausschlaggebenden Motive für ihre Entstehung. Da das Verlangen nach Freiheit ein instinktiver Trieb des Menschen ist, so sehe ich auch im Materialismus eine Folge dieses Instinktes, dagegen lehrt uns eine grössere Entwicklung des Verstandes und ein tieferes Eindringen in die Natur, den Geist anzuerkennen, da wir seiner ja nicht durch das Wegleugnen ledig werden können. Wir verstehen demgemäss, warum immer wieder kampfeslustige Helden für den Materialismus auftreten, warum dieser Kampf zwischen Materialismus und Idealismus seit Beginn des menschlichen Denkens tobt. Das ist der Kampf des Instinktes gegen den Verstand. Wenn diese meine Ansicht richtig ist, so muss sie sich durch die Geschichte des menschlichen Denkens bestätigen lassen, es soll sich zeigen, dass es nur das erste Aufwachen des Gedankens ist, das den Materialismus mit sich bringt, und dass er immer wieder mit der weiteren Entwicklung vom Idealismus widerlegt wird. Und in der Tat, als die Menschen sich vom Nebel der dichterischen Vorstellungen über den Olymp und seine göttlichen Bewohner zu befreien begonnen hatten, als sie von den Phantasiegebilden zu einer nüchternen Weltanschauung mit Hilfe des Verstandes übergingen, so begegnen wir zuerst dem Thaies mit seiner berühmten Theorie: «der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.