Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918-1918)
- Issue
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 102 (sequence 103)
- Language
- German
- Belongs to
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102 Philosophie und Naturwissenschaft in ihren Beziehungen zur Religion. Es ist eine fast allgemein angenommene Ansicht, dass die exakten Naturwissenschaften und die Medizin insbesondere zu einer materialistischen oder mechanistischen Weltanschauung verleiten, dass sie es sind, die den Kampf mit dem Idealismus und Dualismus unternommen haben und sie bis zur vollständigen Niederlage bringen werden. Ich will es nicht unternehmen, irgend eine Versöhnung in diesem Kampfe zu suchen, um daraus^ Waffen für die Religion zu schmieden. Ich bin der Ansicht, dass die Religion von den Ergebnissen der Wissenschaft unabhängig ist, dass sie ihre Macht aus einer innern eigenen Quelle schöpft, weshalb sie auch zu allen Zeiten eine Macht besitzen wird, wie sie immer eine solche gehabt hat, trotz den jeweiligen Strömungen und Richtungen in der Wissenschaft. Auch heute ist die Religion nicht dahin, und ist auch nicht im Begriffe dahin zu gehen. Die Aufgabe meines Aufsatzes ist nur die, zu zeigen, ob es wirklich so ist, dass eine Weltanschauung, die zu ihrer Basis die Naturwissenschaften hat, unbedingt eine materialistische oder mechanistische sein muss, und ob die Materialisten es sind, die auf wissenschaftlichem Boden stehen. Seit Beginn des menschlichen Denkens kämpfen diese zwei .Weltanschauungen miteinander. Ich möchte fast sagen, es sei dieser Kampf in der menschlichen Natur begründet. Man scheut sich vor etwas Unbekanntem und Unbegreiflichem wie Geist, Seele und Gott; es ruft ein unheimliches Gefühl der Abhängigkeit hervor, und so sucht man sich davon zu befreien, indem man es weg-