Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918-1918)
- Issue
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 90 (sequence 91)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3135693-3135700--0594-3136318- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
m kann. So setzt Sokrates bei seiner Begriffsbestimmung, z. B. der Definition des ״Guten“ voraus, dass alle Menschen in der Anwendung des Wortes ״gut“ auf die Fälle des Lebens im wesentlichen übereinstimmen, während sie sich über den Inhalt, die Merkmale des Begriffes, nicht im klaren sind. Die Aufgabe der Wissenschaft besteht nach Sokrates in der Begriffsbestimmung, was nichts anderes ist, als die Umwandlung der im Sprachgebrauch umfänglich gebrauchten Begriffe in inhaltliche. Diese Kluft zwischen dem gewöhnlichen und dem wissenschaftlichen Sprachgebrauch überträgt sich naturgeraäss von den Begriffen auf das Urteil, welches die Begriffe zu seinen Bestandteilen hat. Fällen wir im gewöhnlichen Sprachgebrauch das Urteil: ״alle A sind JS“ und fasse ich die Begriffe A und B bloss umfänglich auf, so kann ich das Urteil gleichfalls nicht anders als umfänglich auffassen, d. h. ich sage bloss aus, dass der Umfang A in dem Umfang B ״enthalten ist, was am besten durch das Zeichen der symbolischen Logik A<^B zum Ausdruck kommt. Der Inhalt des Begriffest, d. h. seine Merkmale und andere Eigenschaften, kommen überhaupt nicht in Betracht; vielmehr kommt zu diesem umfänglichen Sinne noch die dunkle Vorstellung von einem besonderen Träger der Eigenschaften, das in gänzlich unerkennbarer Weise hinter den Eigenschaften stehend, sie zusammenhält, hinzu. Nach Absonderung des Beiwerkes dieser naiven Auffassung bleibt uns bloss das umfängliche Verhältnis A < B. Fasse ich aber die Begriffe A, B, inhaltlich auf und verstehe darunter die Summe der Merkmale (a, ai, a2, . .), (b, bi, b2, . .), so drücke ich in meinem Urteile A ist B, den gesetzmässigen Zusammenhang dieser Merkmale aus, namentlich, dass überall, wo die Merkmale (a, ai, a2, . .) vorhanden sind, müssen sich auch notwendig die Merkmale (b, bi, b2, . .) vorfinden. Die Eigenschaften eines Dinges und zwar gerade die dauernden, die den Inhalt seines Be-