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Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1918-01-01 · 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918) · p. Seite 74

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918-1918)
Issue
3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918)
Date
1918-01-01
Page
Seite 74 (sequence 75)
Language
German
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IRI
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74 bald mit einer einfältigen Taube1), bald mit einem einfältigen Kälblein. Eine Heldin im Hohen Lied erscheint ihm wieder zu sehr naiv und er nennt sie Einfältigste aller Einfältigen.2) Die Persönlichkeiten der Bibel werden nach dem Grad ihrer Geradheit und Einfalt gewürdigt. „Die Erzväter waren geraden Sinnes.“ „ Fern war ihnen, an Gott zu zweifeln, seine Wege zu beanstanden.“ „Doch war ihnen Hiob überlegen, da ihm neben der Gradheit auch die Einfalt nachgerühmt wird.“3) Wie die Tugenden der frühen Jugendzeit ihm zum seelischen, tief eingewurzelten Bedürfnis seines ganzen Lebens wurden, so behielt er auch manche Gewohnheiten derselben bis an sein hohes Alter. So die Liebe für die Erlernung von Bibelversen. Er pflegte auch gerne und häufig die Kinder nach den von ihnen eingeübten Versen zu befragen. War der Vers guten Inhalts, so galt ihm das als ein gutes Zeichen. Wenn uns mitgeteilt wird, dass die Kinder in der Synagoge zu Tiberias gewisse Verse vorzulesen pflegten, so wird dies auf eine Anordnung R. Jochanans zurückzuführen sein.4) Dieser Mann der marternden Sehnsucht nach der Vergangenheit legte auch ein Leben reichster Gegenwart zurück. Sein langes Leben einerseits und sein Verkehr mit allen Gelehrten andererseits vermehrten ins Unermessliche seine Erlebnisse und die dadurch gewonnenen Erkenntnisse. Er erfuhr an sich selbst die Verwischungskunst der Zeit. So zählt er. uns all die Dinge vor, die, so sehr *) Beschalach rabba 21. 2) Chaje Sara rabba 58. Ueber Esther s. Sota 10. 3) Schir rabba 8; Aboda saia 25 a; Jalkut schim Vers „Mescharim“ bei R. Ajbu verglichen mit denWorten R. Jochanans Tanit 2,4. Ueber Hiob s. baba kama 15 b. S. ferner die Agada Bananja Misehael in Schir rabba 7; und bei R. Ch. b. Abba seinem Schüler Bereschit rabba 79,3. 4) Tanit 8; Chulin 25; J. Berachot 5,1; Berachot babli 57 b; Megilla Ende; Schochor Tob 93,6.

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