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Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1918-01-01 · 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918) · p. Seite 72

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918-1918)
Issue
3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918)
Date
1918-01-01
Page
Seite 72 (sequence 73)
Language
German
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72 Wie seine Wissbegierde, behielt er auch seine Aufnahmefähigkeit bis in sein hohes Alte'r hinein. So wird uns auch erzählt, dass er in seinen alten Tagen den ganzen Sifra in kurzer Zeit erlernte.1) Wenn er selbst im hohen Alter dem Lernen, der Aneignung neuer Kenntnisse mit Spannung und erwartungsvoll nachging, wie gross muss erst seine Wissenslust in seiner Jugend gewesen sein! Und in der Tat, nur diese war es, was Eabbi Jochanan trotz grosser Hindernisse auf den Weg des Studiums leitete. Er verkaufte all sein Erbe, all seine Habe. Das dafür erhaltene Geld diente ihm als einzige Quelle für seine Ausgaben. So oft er in seinen späteren Tagen an den verkauften Gütern vorbeiging, brach er in Tränen aus. Das Herz schrumpfte ihm zusammen, so oft er sah, dass seine Güter, die seine Eltern mit Mühe und Schweiss erworben hatten, für immer das Eigentum anderer geworden waren.2) Wenn er seine Güter zur Erlangung der nötigen Mittel verkaufte, so folgte er damit nur seinem inneren Triebe. Seine ihm von Kindheit an innewohnende Sehnsucht nach Unbekanntem und sein frühreifes Vermögen zum klaren Erfassen, — diese beiden Wesenszüge Hessen ihn keinen Augenblick zögern, lieferten ihn auf Gnade und Ungnade dem Studium aus. Die grosse Zahl der Notizen über seine Jugendzeit von seiner frühen Jugend an beweist, dass das Werden dieses grossen Mannes die Gemüter vieler Generationen fesselte. Die Ursache dazu ist in seiner frühen Entwicklung zu suchen. Die Sehnsucht nach Niegesehenem bildete die frühesten Empfindungen der Seele K. Jochanans. Dieser gesellte sich in der Eoglezeit eine Sehnsucht nach längst Verschwundenem, nach einmal Erlebtem hinzu. Seine *) Jebamot 72. 2) Schir rabba Parscha 8.

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