Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918-1918)
- Issue
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 47 (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
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47 Bildung des Charakters und des Gemütes, die Kenntnisse der Thora und ihrer Gebote, die Erziehung zur jüdischen Pflichttreue? Tritt all das nicht weit, weit zurück, während es die Hauptsache, das Wichtigste sein sollte? Ist das Gold nicht der Moloch, dem wir Sabbat und Festtage, die Vorschriften und Gesetze unserer heiligen Religion und damit unser Teuerstes und Bestes willig, acb, nur allzu willig opfern? 0, dass wir an dem Tage, der uns an die Sünden unserer Väter mahnt, auch der eigenen gleichartigen Verirrung gedenken möchten! Fort mit der Ueberschätzung und Anbetung des Goldes! Du kannst mit Gold nicht das wahre Glück erkaufen, nicht hohes Alter und Gesundheit, nicht gute Kinder und ein *glückliches Familienleben. All das kann dir nur der Ewige, dein Gott gewähren. Ihm wollen wir dienen und nicht dem Golde .ולא נאמר עוד למעשה ידנו Wir wollen nicht mehr anbeten den irdischen Erfolg, nicht mehr vergöttern das, was vergänglich ist, das Werk unserer Hände! Wollen wir nicht auch bei der Erinnerung an die Sünde des goldenen Kalbes, die der Versöhnungstag mit sich bringt, Moses, unseres Lehrers und seines Verhaitens gedenken? Als er den Götzendienst im jüdischen Lager sah, zerbrach er die Tafeln. Warum tat er das? Der Midrasch sagt es uns. Er sah, dass die Buchstaben sich aus dem Stein emporhoben in die Lüfte, da zerbrach er den Stein* Liegt hierin nicht ein tiefer Gedanke? Der Stein war rohe Materie. Nur die Buchstaben waren es, die ihm Wert verliehen. Schwanden die Buchstaben, so musste der Stein zerbrochen werden. Was nützt ein Körper ohne Geist, ein Leib ohne Seele! ״Es ist der Geist, der sich den Körper baut“. Als Moses den Götzendienst im Lager sah, da erkannte er, dass aus dem jüdischen Volkskörper der Geist des Judentums entflohen war. Da zerbrach er die Tafeln, denn sie hatten nun keinen Wert mehr und keine Bedeutung,