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Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1918-01-01 · 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918) · p. Seite 33

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918-1918)
Issue
3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918)
Date
1918-01-01
Page
Seite 33 (sequence 34)
Language
German
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33 Kein hoher Fürst wird so zur Ruhe gebettet! Wir fühlten es alle: Ein Riss ins Heiligtum ist ein Riss in unser Herz. Und doch gibt gerade diese Trauerkundgebung uns wieder zu denken! Ist es uns echt um diese Trauer — und wer wollte dies bezweifeln? — warum werden uns diese von Bubenhand zerrissenen heiligen Worte nicht zum vollen Inhalt, zum Ziel und Leitstern unseres täglichen Lebens? Warum nimmt man den Hut ab vor der Majestät des Todes, warum versagt man die Hochachtung und Anerkennung der Majestät des Lebens? •Des Wortes wollen und sollen wir eingedenk sein: „sie ist Dein Leben und die Dauer Deiner Tage.“ Wie sehr könnte gerade die jüdische Lehre uns Führer und Wegweiser in diesen Zeiten der Wirrnis sein! Noch sind wir uns der Gedankentiefe der jüdischen Weltanschauung viel zu wenig bewusst, weil materialistische Tendenzen uns des Weitblickes berauben und uns zum nötigen Nachdenken über Zweck und Ziel unseres Daseins* nicht Zeit lassen. Sonst müsste ja gerade bei uns Schweizer Juden eine sichtliche Erstarkung des innern religiösen Lebens in Erscheinung treten. Davon ist einstweilen noch wenig zu spüren. Wer schätzt das Glück, dass er vor dem Kriegsschwerte bis anhin gerettet wurde, so sehr, dass er beispielsweise in gesteigerter seelischer Kraft zum Entschluss sich durchkämpft, von nun an unter Ueberwindung aller entgegenstehenden Schwierigkeiten am Sabbat die Arbeit ruhen zu lassen? Und doch liegt eine Seelenerquickung in der Gabe des Sabbats, die leider nur zu wenige zu würdigen verstehen. Man zürne uns nicht ob dieser Moralisationen, sie sind vielleicht nicht so unberechtigt gerade im Hinblick auf die Ereignisse der Gegenwart, welche uns lehren; dass alle Freiheit, welche die Menschen verkünden, 3

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