Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5678 = 1917/18 (1917-1917)
- Issue
- 5678 = 1917/18 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 216 (sequence 217)
- Language
- German
- Belongs to
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216 dorf, kam als Amme ins Schloss. Wir gestatteten ihr, ihr Söhnchen mitzubringen. Mein armes Kindchen war elend und schwach; es starb nach wenigen Wochen. Niemand wusste davon, als der Fürst, die Amme und ich. Da befahl der Fürst, dass man das gestorbene Kind als das der Amme ausgeben solle, während das Kind der Amme als unser Kind gelten musste. Dieses Kind, Woldemar, bist Du. Du heissest eigentlich Christian und bist der Sohn des Bauern Rompel und seiner Frau Katharina“. „Mutter, Mutter,“ rief der Fürst, „was habt Ihr getan!“ „Was wir getan haben, war wohlüberlegt. Vetter Erich ist ein schlechter Mensch, wollüstig und ausschweifend, gewaltsam und boshaften Charakters. Wäre er regierender Fürst geworden, er . hätte Land und Leute zu Grunde gerichtet. Dich aber haben wir in Tugend und Gottesfurcht erzogen, um so strenger, da Du nicht unser Sohn warst. Deine Regierung wTird ein Segen für das Land werden. Was wir getan haben, können wir vor Gott verantworten.“ „Wenn aber die Wahrheit an den Tag kommt?“ „Sie wird nicht an den Tag kommen. Der Fürst ist tot, Katharina hat einen heiligen Eid geschworen, den sie niemals brechen wird und ich, ich werde Dich nicht verraten.“ Einige Stunden nachher liess der Fürst den Juden Moses zu sich bescheiden. „Moses,“ sagte er, „Deine Menschenkenntnis ist nicht weit her. Diesmal hast Du Dich geirrt; ich bin kein Bauernsohn; doch, fürchte nichts, ich werde Dich nicht totschiessen. Aber sagen sollst Du mir, wie Du auf den Gedanken gekommen.bist, dass ich der Sohn eines Bauern sei.“