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Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1917-01-01 · 5678 = 1917/18 (1917) · p. Seite 215

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
5678 = 1917/18 (1917-1917)
Issue
5678 = 1917/18 (1917)
Date
1917-01-01
Page
Seite 215 (sequence 216)
Language
German
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215 Der Fürst trat ihr entgegen und küsste ihr die Hand. „Gnädigste Mama,“ sagte er, „ich habe Sie bitten lassen, sich hierher zu bemühen, weil wir hier ungestörter sind und weil das, was ich mit Ihnen zu reden habe, keine Zeugen verträgt.“ Bei diesen Worten verschloss er die Türe, dann führte er seine Mütter nach dem Divan und bat sie, sich niederzulassen. „Durchlauchteste Mama,“ sagte er dann, „schon seit frühester Kindheit werde ich von Zweifeln gequält, die mich sehr beängstigt haben. Der hochselige Fürst hat oft Aeusserungen fallen lassen, die mich befremden mussten. Bei dem geringsten kindlichen Verstosse sprach er Worte aus, die Sie, gnädigste Mama, missbilligten, wenn Fremde zugegen waren, gegen die Sie aber nichts einzuwenden hatten, sobald wir allein waren. Diese Vorkommnisse haben in mir Zweifel hervorgerufen, die mich seit Jahren entsetzlich quälen; ich bin es müde, länger in Ungewissheit zu leben und muss jetzt die volle Wahrheit erfahren. Verweigern Sie mir dieselbe, so schiesse ich mir hier in Ihrem Beisein eine Kugel vor den Kopf“. „Du tust Unrecht, mein Sohn,“ sagte die Fürstin, „dass Du mich so bedrängst. Es wäre besser für Dich, die Wahrheit bliebe Dir verholen. Doch, da Du sie durchaus wissen willst, so sollst Du sie erfahren. — Mein hochseliger Gemahl und ich, wir lebten lange in kinderloser Ehe, was uns um so mehr schmerzte, da das Fürstentum nachdem Ableben des Fürsten an unsern Vetter Erich gefallen wäre, den wir beide aus tiefster Seele hassten. Endlich erhörte Gott unser Gebet; ich gebar einen Sohn und Katharina, die Frau des Bauern Bompel aus Bösen-

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