Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5678 = 1917/18 (1917-1917)
- Issue
- 5678 = 1917/18 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 214 (sequence 215)
- Language
- German
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214 Moses trat ganz nahe an den Pürsten heran und sagte in gedämpftem Tone : „Eure Durchlaucht sind ein Bauernsohn.“ Der Fürst wurde schneeweiss. „Du kannst gehen/1 sagte er, „ich werde zu erforschen wissen, ob Du die Wahrheit gesprochen. In diesem Palle werde ich Dich reich belohnen. Hast Du mich aber unnötig beleidigt, so schiesse ich Dich nieder wie einen tollen Hund!“ Moses verneigte sich und wollte sich entfernen. „Halt,“ schrie der Fürst, „Du könntest entlaufen! Du bleibst eingeschlossen, bis ich Dich selbst Deiner Haft entlasse.“ Der Fürst drückte an eine silberne Schelle, die auf dem Tische stand, schloss die Türe auf und befahl dem eintretenden Kammerherrn: „Der Jude Moses bleibt auf unbestimmte Zeit in sicherem Gewahrsam. Kein Mensch darf mit ihm reden!“ Zwei Soldaten erschienen, nahmen Moses in die Mitte und führten ihn ab. Der Fürst war allein. Er warf sich auf den Divan nieder, hielt beide Hände vor das Gesicht und sprach vor sich hin: „Ich fürchte, der Jude hat Recht. Schon lange sind Zweifel in mir aufgestiegen, ob ich denn wirklich der Sohn derer bin, die für meine Eltern gelten. Allein ich werde jetzt die Wahrheit erfahren.“ Er rief seinen Kammerdiener herbei und sprach: „Ich lasse meine gnädigste Mama bitten, sich hierher zu bemühen; ich habe Wichtiges mit Ihrer Durchlaucht zu reden.“ Wenige Minuten nachher trat die Fürstin-Mutter in das Gemach des Sohnes. „Du hast befohlen, meinSohn!“ sagte sie piquiert.