Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5678 = 1917/18 (1917-1917)
- Issue
- 5678 = 1917/18 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 212 (sequence 213)
- Language
- German
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212 Moses nahm die Armbänder, Brochen, Halsketten, Agraffen und all’ die andern mit Diamanten verzierten Gegenstände in die Hand, betrachtete jedes einzelne sehr sorgfältig, hielt es gegen das Licht, hauchte und rieb daran und wurde gar nicht fertig. „Wie lange noch,“ rief der Füi’st ungeduldig, „wirst Du unsere Geduld auf die Probe stellen?“ „Gnädigster Herr, sagte Moses bedächtig, „die Diamanten sind, wenn man das Gold und Silber der Fassung davon abrechnet, mit fünf Talern zu teuer bezahlt.“ „Du bist verrückt,“ schrie der Fürst. „Was,“ rief die Fürstin-Mutter, „die Familien- Diamanten der Fürsten von Waldburg, die bei der jüngsten Kaiserkrönung in Frankfurt die Bewunderung selbst der allergrössten Herrschaften erregt haben, taxiert der Mensch auf fünf Taler? Lass’ ihn ins Irrenhaus sperren, Woldemar!“ „Gnädigster Herr,“ sagte Moses ruhig, „Sie dürfen mir glauben, es sind böhmische Steine, allerdings meisterhaft nachgeahmt; aber schon nach wenigen Wochen werden sie blind. Es muss da ein Betrug vorgefallen sein. Der Juwelier in Paris hat wahrscheinlich die echten Diamanten zurückbehalten.“ Da das Urteil des Juden sich das erste Mal bewährt hatte, beschloss Fürst Woldemar, dasselbe auch diesmal zu berücksichtigen. Er sandte einen Courier nach Paris; der Juwelier wurde verhaftet und eine Haussuchung ergab, dass der alte, ihm übersandte Schmuck noch in seinem Besitze war. Der Bevollmächtigte des Fürsten Woldemar erhielt die echten Familiendiamanten zurück und der Juwelier kam auf die Galeeren. Als der Courier die echten Diamanten nach Schloss Waldburg zurückbrachte, vergoss die Fürstin-