Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5678 = 1917/18 (1917-1917)
- Issue
- 5678 = 1917/18 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 211 (sequence 212)
- Language
- German
- Belongs to
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lei Schwierigkeiten. In zwei Stunden bin ich zurück und mache das Urteil des Juden zu Schanden.“ Der Fürst nickte zustimmend; Bohlen schwang sich in den Sattel und ritt grüssend davon, erst langsam, dann im Trab, aber bald im Galopp, ventre a terre; in wenigen Augenblicken war er nicht mehr zu sehen. „Das Pferd hält sich ausgezeichnet,“ sagte der Fürst, „ich fürchte, Du verstehst nichts, Moses.“ Der Jude schwieg. Zwei Stunden nachher wurde die verstümmelte Leiche des Kammerherrn von Bohlen in das Schloss getragen. Das Pferd hatte ihn abgeworfen und gegen einen Stein geschleudert. Das wildgewordene Ross konnte erst am andern Tage wieder eingefangen werden. „Du hast mir das Leben gerettet, Moses,“ sagte der Fürst, „und eine Belohnung verdient.“ Bei diesen Worten zog er seine mit Gold und Silber reich gefüllte Börse, suchte lange, zog endlich ein Talerstück hervor und reichte es mit gnädiger Miene dem Juden, der es dankend in Empfang nahm. Wieder vergingen Wochen. Bald sollte die Hochzeit des Fürsten gefeiert werden. Die Familien- Diamanten der Fürsten von Waldburg waren nach Paris geschickt worden, um daselbst nach der neuesten Mode gefasst zu werden. Als dieselben von Paris zurückkamen, bewunderte der ganze Hof den herrlichen Schmuck. Die Diamanten waren sehr kostbar und die Fassung tadellos. Schon sollten sie aufs neue verpackt und nach Sonderheim geschickt werden, als der Fürst sich seines Juden erinnerte. Er liess ihn herbeirufen und sagte: „Moses, betrachte Dir diese Schmuckgegenstände. Wie hoch taxierst Du diese Diamanten?“