Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5678 = 1917/18 (1917-1917)
- Issue
- 5678 = 1917/18 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 210 (sequence 211)
- Language
- German
- Belongs to
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210 einen Spazierritt zu machen. Schon hatte er den einen Fuss im Steigbügel, da erinnerte er sich des Juden Moses von Strzelno und dass dieser behauptet habe, ein Kenner von Pferden zu sein; er zog seinen Fuss vom Steigbügel zurück und befahl, den Juden zu rufen. „Moses,“ rief er dem Herannahenden zu, „Du bist ja ein Kenner von Pferden! Betrachte Dir dieses edle Ross und verkünde uns Dein Urteil über dasselbe.“ Moses trat an das Pferd heran und volle Bewunderung leuchtete aus seinen Zügen; aber er sagte kein Wort. Er betrachtete das Pferd von allen Seiten, führte es dann im Kreise umher, klopfte es, streichelte es, liess es sich bäumen und führte noch allerlei Manöver mit ihm aus. Dann warf er den Zügel dem Stallknechte zu, trat vor den Fürsten und verneigte sich. „Gnädigster Herr“, sagt er, „das Pferd ist allerdings ein schönes Tier und von edler Abkunft. Es wäre untadelhaft, wenn es nicht einen grossen Fehler hätte: es scheut sehr leicht und wehe dem Reiter, der dann auf seinem Rücken sitzt; er wird unfehlbar abgeworfen. “ „Du verstehst nichts, Jude,“ rief der Kammerherr von Bohlen, der den Fürsten auf seinem Spazierritt hätte begleiten sollen. „Das ist das schönste Pferd, welches ich je gesehen habe und vorzüglich eingeritten, ein jedes Kind kann es regieren.“ „Herr Kammerherr,“ sagte Moses, „ich möchte Ihnen nicht raten, das Pferd zu besteigen, Sie würden Ihr Leben in Gefahr bringen.“ „Wenn Durchlaucht erlauben,“ rief der Kammerherr, „so besteige ich das Pferd und reite nach Bösendorf. Es ist coupiertes Terrain und bietet aller-