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Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1917-01-01 · 5678 = 1917/18 (1917) · p. Seite 202

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
5678 = 1917/18 (1917-1917)
Issue
5678 = 1917/18 (1917)
Date
1917-01-01
Page
Seite 202 (sequence 203)
Language
German
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IRI
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202 Rätselhaftes, für das er noch die Lösung zu finden hofft ... Das Leben hat den Kleinen zum Philosophen gemacht . . . Es war ein heiterer, schöner Morgen damals. Ein lichter Sonnenstrahl spielte auf s.ein Bett und weckte ihn lachend aus süssen Träumen. Dann kam der Vater, gut und frohgemut wie immer und küsste ihn herzlich. „Adieu mein Kind. Ich habe auf der Bank für die Firma zu tun und komme wohl etwras später heim. Halte dich brav und passe in der Schule gut auf.“ Aber der Vater kam nicht später, sondern viel früher wie sonst; fremde Männer brachten ihn auf einer blutigen Bahre heim, mit bleichem, bis zur Unkenntlichkeit verzerrtem Gesichte. Er stöhnte kaum hörbar. Fremde Menschen drängten sich ins Haus und viele andere blieben draussen und umlagerten Türen und Fenster. Alles sprach, schrie und weinte durcheinander. Auch er, der Knabe, schluchzte laut, wreil es alle taten, wreil die Mutter ohnmächtig zusammenbrach und weil der Vater so bleich, so hilflos dalag und so leise stöhnte . . . Polizeibeamte in goldblinkenden Uniformen kamen, er fürchtete sich heute nicht im geringste^ vor ihnen. „Fünf Schüsse aus einem Browming“, hörte er den Arzt trocken sagen. Die Polizeibeamten sprachen von Mördern, Anarchisten, Revolutionären, von einem Attentate, fremde, schreckliche Worte, die der Junge nicht verstand, die ihn auch nicht interessierten. Er näherte sich leise, ganz in Tränen aufgelöst, dem sterbenden Vater. Erfühlte dessen Hände unsicher auf seinem Haupte ruhen, er hörte seine bebenden Lippen flüstern und wieder wreinte er laut . . . Und als die Mutter ihn dann mit den Worten: „Sie haben Dir Deinen guten Vater genommen, um-

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