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Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1917-01-01 · 5678 = 1917/18 (1917) · p. Seite 192

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
5678 = 1917/18 (1917-1917)
Issue
5678 = 1917/18 (1917)
Date
1917-01-01
Page
Seite 192 (sequence 193)
Language
German
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IRI
…/3135693-3135696--0436-3136159
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192 war er nicht geflohen. Er wurde gebunden und furchtbar misshandelt. Dennoch wollte er den Ort nicht anzeigen, wo er sein Geld versteckt habe- Da begann eine vandalische Plünderung. Die Leute bewiesen, dass sie in der Schule der Russen und Franzosen etwas gelernt hatten. Kästen und Schubladen wurden erbrochen, der Inhalt auf die Strasse geworfen. Die Betten wurden aufgerissen, was nicht niet- und nagelfest war geraubt. In Kesseln brachte die Räuberbande den Wein aus dem Keller in die Stube und verschüttete so viel, dass die Kerle im edlen Nass förmlich wateten. Vor das Haus brachte man einige „Ständliu dickroten Weines. Es trank wer wollte. Bald sah man Haufen von Betrunkenen herumtaumeln. Ein unbeschreibliches Durcheinander entstand, doch wurde wenigstens kein Blut vergossen. Die elendesten Rollen in diesem Nachtstück menschlicher Verirrung spielten die Anführer, besonders Welti) Ruegger und Widmer. Von Ersterem war der Befehl ausgegangen, den genannten Juden zu binden. Welti war auch der erste, der sich betrunken im Strassengraben wälzte. Schlauer stellten Rüegger, Widmer und Salzfaktor Frei ihre Sache an. Im Hause des Vorstehers Wolf Dreifuss, unterhalb des Hirschen, unterhandelten sie mit den reichsten Juden und versprachen diesen gegen eine Summe Geldes die Leute aus dem Dorfe zu entfernen. Letzteres lag freilich weder in der Macht, noch in ihrem Willen. Zwar gaben sie sich hie und da den Anschein, dem Unwesen wehren zu wollen. In Wahrheit aber munterten sie die Leute zur Plünderung auf. Einen Siggenthaler in Pluderhosen, der etwas schwerfällig an Salzfaktor Frei vorüber trottette, weil er die Taschen voll geraubten Geldes' hatte, herrschte Frei an, er habe seine Beute heraus-

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