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Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1917-01-01 · 5678 = 1917/18 (1917) · p. Seite 191

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
5678 = 1917/18 (1917-1917)
Issue
5678 = 1917/18 (1917)
Date
1917-01-01
Page
Seite 191 (sequence 192)
Language
German
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IRI
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191 hatte, hoben mitleidige Nachharen den Bewusstlosen auf. Michel Guggenheim verbarg Frau und Kinder und schloss sein Haus ab. Pochte das Raubgesindel an den Ttlren, so reichte er jeweilen einige Taler hinaus. So soll er über 1000 Franken geopfert haben. Der Schlaueste aber war Marx Dreifuss. Er entfernte die Betten bis auf die Strohsäcke, riss diese auf und streute das Stroh und andere wertlose Sachen im Zimmer umher, Hess die Türen offen und entfernte sich. Wer nun kam, meinte, das Haus sei schon ausgeraubt, kratzte in den Haaren und schlich davon. Dem Rabbiner Ries, einem frommen Manne, schrieb das Volk allgemein die Kraft zu „bannen“ zu können. Während den Stunden der Not sass er hinter seinem Tische und las ununterbrochen in den heiligen jüdischen Urkunden. Jeder, der in dasZimmer trat und die fremdklingenden Worte aus dem gefürchteten Munde hörte, dazu den feurigen Blick des greisen Mannes spürte, wich erschrocken zurück, ohne sich am Eigentum des Lesenden zu vergreifen. Im Hause des Leonz Keller wohnte ein Jude mit seiner Familie. Er war ratlos. Da riet ihm sein Hausherr, die Sabbatleuchter aus der Stube zu entfernen und sich dann ruhig zu verhalten. Nachdem der Rat befolgt war, fasste der „Lunzi“ mit seinen drei starken Söhnen Posten an der Haustüre. Der eine der Jungen, der „Seppel“, war erst kürzlich aus neapolitanischen Diensten heimgekehrt. Wer nun in das Haus wollte, wurde zurückgewiesen, wer zudringlich war die Treppe herantergeworfen. So blieb das Haus verschont. Im Hause zunächst oberhalb des Hirschen ging es am ärgsten zu. Der israelitische Eigentümer, der „Rote Müller“ genannt, war als geizig verschrieen und in der ganzen Gegend verhasst. Auch

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