Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5678 = 1917/18 (1917-1917)
- Issue
- 5678 = 1917/18 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 193 (sequence 194)
- Language
- German
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193 zageben, alles Geraubte müsse zurückerstattet werden. Der Verblüffte und etwas benebelte Bauer befolgte die Weisung und Frei steckte den Raub in die eigene Tasche. Weniger glücklich als Frei war sein Kumpan, der einarmige Warner. Er hatte das geraubte Geld in dem leeren rechten Rockärmel verborgen und diesen unten mit einer Schnur zugebunden. Seiner Umgebung entging der goldene Arm nicht. Auch munkelte man bereits von dem Verrate der Führer. So beschlossen Einige, dem Widmer seinen künstlichen Arm „abzunehmen“. Da der Bandit zu Ross war, kitzelten sie den Gaul, dass er seinen Reiter abwarf. Bei diesem Anlass platzte der Aermel und über seinen goldenen Inhalt fiel die johlende Menge gierig her. Gegen Abend des schmachvollen Tages nahm eine dumpfe Stimmung gegen die Führer unter dem Volke überhand. Man raunte sich heimlich ins Ohr, dass Jene von den Juden Geld genommen und dass sie Regierungstruppen herbeigerufen hätten. Missgunst über die gefüllten Taschen der Anführer und ingrimmiger Zorn über ihre verräterischen Pläne drohten zu rebellischem Ausbruch zu kommen. Dem Salzfaktor Frei rief ein Siggentaler zu: ,/s wär allwäg s’Best, i tät di abem Ross abeschüsse.“ Die Anführer rochen Lunte und machten sich gegen 6 Uhr fast insgesammt aus dem Staube. Nur Salzfaktor Frei und Rüegger hatten es darauf abgesehen, mit einer theatralischen Aktion zu schliessen, die ihrer Frechheit und Gaunerei die Krone aufsetzte* Sie Hessen den betrunkenen Haufen auf dem Hirschenplatz zusammentreiben, geboten Ruhe und befahlen, alles Geraubte tvieder herauszugeben! Wildes, drohendes Geschrei war die Antwort — und die Plünderer würden trotz ihrer Trunkenheit zu Tätlichkeiten 13