Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5678 = 1917/18 (1917-1917)
- Issue
- 5678 = 1917/18 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 190 (sequence 191)
- Language
- German
- Belongs to
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190 begannen sie ein Bombardement mit faulen Aepfeln, so dass die Alte über das Christentum ihrer Peiniger nicht minder zu schimpfen begann, als über die Mörder des Heilandes in Endingen! Es war um Mittag, als der Zug von Lengnau her ins Dorf Endingen kam und sich mit demjenigen vereinigte, der bereits über Würenlingen und den Homberg eingebrochen war und sein schimpfliches Werk begonnen hatte. Die Hauptstrasse des Dorfes, von der Schmiedebrücke bis über den Hirschen hinaus, war mit Leuten vollgestopft und blieb es bis gegen Abend. Es war ein buntes Heer, viele trugen Hellebarden, andere Sensen oder Stecken und Knittel. Viele waren auch nur mit leeren Säcken bewaffnet, die sie zu füllen hofften! — Schreck und Verwirrung herrschte unter den Juden. Einzelne flüchteten sich in den Wald, andere suchten ein Versteck in den Häusern der Christen und brachten in der Eile auch ihre Kostbarkeiten dahin. Ueberall wurde geplündert. Ein besonderes Auge hatten die Banditen auf die Säbbatleuchter, die eine Zierde und Eigentümlichkeit jeder jüdischen Wohnung bilden. Allenthalben wurden dieselben zu den Fenstern hinausgeworfen. Die Studenländer trugen ganze Bündel Geraubtes an den Bergesabhang auf der Ostseite des Dorfes und liessen es dort bewachen. Roth Michel wollte über den Mühlebach entfliehen. Er war ihm aber zu breit und zu tief; unschlüssig blieb er stehen. Einige Plünderer holten ihn ein und führten ihn in sein Haus zurück. Dort sollte er sein Geld zeigen. Er weigerte sich und rief seinen Sohn Jörg zu Hilfe. Da erhielt er einen Schlag, dass er bewusstlos liegen blieb. Nachdem die Bande das ganze Haus vergeblich durchsucht und sich entfernt