Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5678 = 1917/18 (1917-1917)
- Issue
- 5678 = 1917/18 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 189 (sequence 190)
- Language
- German
- Belongs to
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189 stein, Müller von Vogelsang und Frei von Ehrendingen, letzterer hoch zu Ross. Ein Ehrendinger drängte einem Juden den Titel für ein bedeutendes Kapital ab, das er ihm schuldig war. So mochten wohl noch der Eine und andere getan haben. Die reichern Juden merkten bald, um was es sich handle und mit wem sie es zu tun hätten. Sie Hessen deshalb die Anführer in des „Krügels“ Haus kommen. Diese gaben den Befehl, die Mannschaft unterdessen in Reih und Glied zu stellen. In dem bezeichneten Hause bot man ihnen eine Summe Geldes, wenn sie dafür sorgen wollten, dass das Volk wieder zum Dorfe hinauskomme, ohne dass ferner jemand geschädigt werde. So hätten die Anstifter, was sie gewollt. Um den Haufen zum Dorf hinauszubringen, versammelten sie denselben und erklärten ihm, dass die Endinger Juden die Staffeten gefangen und misshandelt hätten. Mit dieser Lüge wurden die Massen förmlich gegen Endigen gehetzt. „Rache, Rache!“ schrieen die Führer; „Rache!“ brüllte ihnen der Haufe nach. In wüstem Durcheinander gings zum Dorfe hinaus, ein tobender und brüllender Haufe. Erleichtert atmeten die Lengnauer Juden auf! Lächelnd folgten die Häuptlinge der Horde nach! — Bald nach dem Abzüge der Plünderer kam ganz allein ein altes Weiblein mit einem Spiesse auf der Schulter vom Wehntal her, das „Schlad“ herunter. Auf der Brücke hatte sich eine Anzahl müssiger Buben gelagert, denen die Alte mit heiligem Eifer auseinandersetzte, welch' hochwichtiger Tag heute sei, da es gelte, die Peiniger und Mörder unsres Herrn und Heilandes, die Juden zu vertreiben. Die gottlosen Buben lachten über die Prophetin und als sie gar nicht fertig werden wollte,