Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5678 = 1917/18 (1917-1917)
- Issue
- 5678 = 1917/18 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 170 (sequence 171)
- Language
- German
- Belongs to
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170 helmshöh atmet eine religiöse Atmosphäre, die man manchem Elternhause wünschen möchte. Man sieht wieder, was eine konsequente, mit Liebe gepaarte Erziehung vermag, und wie der Gedanke an Gott so gerne ein sonniges Plätzchen findet im kindlichen Herzen und Gemüte. Die leitenden Persönlichkeiten von Wilhemshöhe, zumeist edle, selbstlose Damen von Luzern, legen auch sonst Proben ihrer guten Befähigung ab, dieses wilde Völklein zu meistern. Es herrscht eine peinliche Ordnung und Zucht, die vom Wasch- und Badezimmer, bis hoch hinauf in die sonnige Liegeterrasse sich erstreckt. Und dabei ist das schöne an diesem erzieherischen Dirigentenstab, dass er nirgends dem kindlichen, oft ungestümen Drang nach Freiheit derben Einhalt gebietet. Im Gegenteil. Wenn die Sonne lacht, geht’s auf den „Gütsch“ und der sieht dann jedesmal lachende, singende, spielende, jubelnde Kinderseelen. Es hat auch Lausbuben dabei. Im Zimmer Nr. 2 scheint eine solche Gesellschaft zu hausen. Man liest an der Türe folgende Bekanntmachen: „Die Einwohner bitten dringend um Ruhe“! Oder: „Für heute geschlossen! Fritzchen.“ Eine dieser Verlautbarungen hört sich direkt flegelhaft an: „Von 1 bis Y24 Uhr wird jeder rausgeschmissen, wer rein kommt!“ Ein Freund von mir Unterzeichnete diesen Appell mit: „Chuzpe Punem.“ Ein obligatorisches Ruhebedürfnis verrät folgende Forderung: Besuche nach 73/4 Uhr dankend verbeten.“ Wie man sieht, gefällt es unsern Schützlingen recht gut da oben in Wilhelmshöhe. Allerdings sahen wir bei unserem Gang durch die weissblinkenden Schlafzimmer auch einige Patientlein. Ein Mädchen leidet — wie traurig! — an Lungenerweiterung (Asthma). Aber ein Lächeln empfängt uns gleichwohl. Auf dem Nachttischchen beim Bette hat eine mitfühlende Besucherin verlockende Gaben niedergelegt: Eine Tafel Schokolade, 3 Fr. in bar, einen Blumenstrauss und ein illustriertes