Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5678 = 1917/18 (1917-1917)
- Issue
- 5678 = 1917/18 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 163 (sequence 164)
- Language
- German
- Belongs to
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163 Da kam eines Abends sein Vetter Moses Ahronssohn zu ihm. „Joseph,“ sagte er, „ich war dieser Tage in Hamburg und habe dort einen jungen Mann kennen gelernt, einen Rabbinats-Kandidaten aus Süddeutschland. Derselbe ist ein feiner, gebildeter Mann, ein grosser Gelehrter; er sucht eine Stelle als Hauslehrer. Wie wäre es, wenn Du ihn für Deine Kinder engagiertest? Und des Abends, da könnte er uns etwas vorlernen, aus dem Menaurass Hamoaur, aus dem En Janckow und aus anderem Sephorim. Ich will gern einen kleinen Beitrag zu den Kosten geben, wenn Du mir. gestattest, mitzuzuhören.“ „Lass ihn kommen,“ sagte Joseph; „aber die Kosten zahle ich allein. Du kannst immer dabei sein, wenn Du willst.“ Wenige Tage nachher traf der junge Rabbinatskandidat in Kinsingen ein. Jeden Abend, wenn die Klubstunde schlug, begann der Vortrag aus dem Menaurass Hamoaur. Herr Fels, so hiess der junge Gelehrte, wusste sehr anregend vorzutragen. Bald kamen auch die andern Glaubensgenossen zu den Vorträgen und brachten ihre Frauen und ihre erwachsenen Kinder mit. Frau Pesschen reichte Erfrischungen umher und es entspann sich in Davidsohns grossem Wohnzimmer jeden Abend nach dem Abendessen ein recht gemütliches Beisammensein. Davidsohn fand grosses Vergnügen daran; die erhabenen Lehren und Erzählungen unserer Weisen, die er allabendlich vernahm, erheiterten sein Gemüt und brachten ihn dazu, die erfahrene Kränkung zu überwinden. Er gewann seine Gemütsruhe wieder und widmete sich, wie ehedem, den Geschäften, die sein ausgedehnter Handel mit sich brachte.