Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5678 = 1917/18 (1917-1917)
- Issue
- 5678 = 1917/18 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 162 (sequence 163)
- Language
- German
- Belongs to
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162 „Ja, wissen Sie,“ stammelte der Wirt, „das neu eingerichtete Hotel zur Stadt Hannover macht mir eine gefährliche Konkurrenz.“ Davidsohn sagte nichts, bezahlte die Flasche Bier, die er sich hatte geben lassen, aber noch nicht getrunken hatte, und ging nach Hause. Der stolze Mann war ganz gebrochen; er hatte für nichts mehr Sinn, hatte keinen Appetit mehr und ging den ganzen Tag wie träumend umher. Es schien, wie wenn er ernstlich krank werden sollte. Frau Pessehen liess den Arzt rufen und dieser riet zu einer Zerstreuung, zu einer Badekur; die vorgerückte Jahreszeit liess ein Seebad als ratsam erscheinen. Davidsohn befolgte den Rat und begab sich mit Frau Pessehen auf einige Wochen nach Norderney. Während Herr Davidsohn in der See badete, um seine angegriffenen Nerven zu kräftigen, verbreitete sich in Kinsingen das Gerücht, er befinde sich in der Provinzialhauptstadt, um dort die ihm zuerkannte Gefängnisstrafe abzubüssen. Als Davidsohn seine Kur beendet hatte und nach Hause zurückkehrte, war sein Verhältnis zu seinen ehemaligen Klubgenossen um nichts besser geworden. Auch der neue Oberamtmann und der neue Amtsassessor, denen er Besuche machte, empfingen ihn sehr kühl. Der Winter kam heran und die Abende begannen sehr lang zu werden. Früher hatte Herr Davidsohn einen grossen Teil der langen Abende in seinem Klub zugebracht. Jetzt wusste er diese Zeit nicht auszufüllen; er wurde aufs Neue ganz trübsinnig.