Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5678 = 1917/18 (1917-1917)
- Issue
- 5678 = 1917/18 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 161 (sequence 162)
- Language
- German
- Belongs to
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161 Die Klatschsucht der Kleinstädter wusste allerlei Dinge zu erfinden, um die Sache in ein anderes Licht zu stellen. Wieso war Davidsohn so schnell reich geworden? Konnte das mit rechten Dingen zugehen? Warum war sein Vetter Moses Ahrohnssohn, der doch auch ein fleissiger und tüchtiger Geschäftsmann war, arm geblieben? „Ja,“ sagte man, „Moses ist ein ehrlicher Mann gewesen und ehrliche Leute werden nicht so schnell reich.“ Joseph Davidsohn hatte, wenn auch nur einen halben Tag, im Gefängnisse gesessen; das drückte ihm einen schweren Makel auf die Stirne. Als Davidsohn wieder im Honoratiorenclub erschien, wurde sein Gruss kaum erwidert und wenn er sich am Gespräch beteiligen wollte, so verstummte plötzlich Alles. „Ja,“ nahm nach einer Pause der Apotheker das Wort, „für Geld kann man alles haben, auch einen Mohren weiss waschen.“ David erzitterte, als er dies vernahm. „Meine Herren,“ sagte er, „Sie werden doch nicht glauben, dass ich mir irgend etwas zu Schulden habe kommen lassen und dass ich den Herrn Amtsassessor bestochen habe?“ Die Herren antworteten nicht. Sie standen auf, nahmen ihre Hüte und gingen davon. Davidsohn blieb allein im Honoratiorenstübchen zurück. Der Wirt trat herein. „Herr Davidsohn,“ sagte er, „Sie haben wohl bemerkt, dass die Herren mit Ihnen nicht mehr zusammen sein wollen.“ „Und da wünschen Sie,“ sagte der Angeredete, „dass ich Ihnen die Gäste nicht vertreibe?“ 11