Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5678 = 1917/18 (1917-1917)
- Issue
- 5678 = 1917/18 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 160 (sequence 161)
- Language
- German
- Belongs to
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160 ler durch die Werkstätte gelaufen. Man muss ihn fragen, wenn er nach Haus kommt. Er ist zu seiner Schwestertochter nach Reichelsdorf gegangen, wo heute Kindtaufe ist.“ „Vielleicht wissen die Kinder etwas davon,“ sagte Frau Pesschen. Sie rief die Kinder herbei, und da kam denn die Geschichte an den Tag. Salomon erzählte unter Tränen, wie der Himpten unter ihm zusammengebrochen sei und Christoph einen neuen Boden eingesetzt habe. Simon eilte mit seinem Bruder zum Amtsassessor, liess dort den Knaben seine Erzählung wiederholen und besclrwor den Richter, sofort nach Reichelsdorf zu fahren und dort den Hausknecht zu vernehmen und zu konstatieren, ob seine Aussage mit der des Knaben übereinstimmen werde. Zugleich erbot er sich durch viele Zeugen zu beweisen, dass derselbe Himpten sowohl beim Einkauf, als beim Verkauf gebraucht worden sei. Der Herr Assessor ging bereitwilligst auf die Wünsche Simons ein. Nach wenigen Stunden war die völlige Unschuld Davidsohns konstatiert und er wurde aus dem Gefängnisse entlassen. Während der ganzen Affaire war der Herr Oberamtmann nicht zu Hause gewesen; er kehrte auch nur auf kurze Zeit nach Kinsingen zurück, da er nach der Residenz berufen worden war, um dort ein hohes Staatsamt zu übernehmen; auch der Herr Amtsassessor verliess bald nachher den Ort; er war zum Ober.amtmann in Blankenheim befördert worden. Die öffentliche Meinung in Kinsingen war keineswegs von der Unschuld Davidsohns überzeugt.