Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5678 = 1917/18 (1917-1917)
- Issue
- 5678 = 1917/18 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 157 (sequence 158)
- Language
- German
- Belongs to
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157 mir, so unangenehm es mir auch ist, die Sache nicht mit Stillschweigen zu übergehen.“ „Gewiss ist Hans Gurke bei Ihnen gewesen,“ sagte Davidsohn. „Im Gegenteil, Herr Amtsassessor, es ist mich angenehm, wenn Sie die Sache untersuchen und die falsche Beschuldigung auf ihr Nichts zurückführen. Sehen Sie, da ist mein Himpten, er ist geeicht.“ Der Amtsdiener brachte den Muster-Himpten in das Kornmagazin, füllte und strich ihn. Dann wurde der Inhalt desselben in den Davidsohn’schen Himpten übertragen, und siehe, dieser war zu gross. Davidsohn wurde leichenblass. „Herr Amtsassessor,“ sagte er, „was kann ich dafür, ich habe ihn doch eichen lassen!“ „Herr Davidsohn,“ entgegnete der Angeredete, ich muss Sie bitten, mir auf die Amtsstube zu folgen.“ Davidsohn tat, wie ihm geheissen worden war. Der Amtsdiener nahm beide Himpten und brachte sie auf die Amtsstube. Der Eichmeister wurde gerufen. Derselbe betrachtete das corpus delicti genau. „Herr Amtsassessor,“ sagte er, „die Eichung an der Seitenwand ist richtig; ich selbst habe sie eingebrannt. Allein der Jude hat einen andern, dünnem Boden hineinsetzen lassen; dadurch ist der Himpten so viel grösser geworden. Sehen Sie her, hier sind noch die Spuren, wie weit der ursprüngliche Boden reichte.“ „Es ist so,“ sprach der Amtsassessor. „Das ist der reine Betrug. Auf diese Weise kann man leicht reich werden.“ „Herr Amtsassessor,“ schrie Davidsohn,“ Sie werden doch nicht glauben.“