Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5678 = 1917/18 (1917-1917)
- Issue
- 5678 = 1917/18 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 158 (sequence 159)
- Language
- German
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158 „Amtsdiener,“ sagte der Assessor achselzuckend, „führe er den Deliquenten in das Gefängnis ab.“ Wie ein Lauffeuer durchflog die böse Kunde das Städtchen, der reiche Joseph Davidsohn sei auf falsches Mass ertappt und verhaftet worden. Die Aufregung war eine ungeheure, namentlich bei den Honoratioren, die furchtbar entrüstet waren, dass sie einen Betrüger in ihren Kreis gezogen. In allen Schichten der Bevölkerung wurde das grosse Tagesereignis besprochen; und der Refrain lautete beim Amtsassessor wie beim Nachtwächter: „Jude bleibt Jude.“ Gleich nach dem Bekanntwerden der Verhaftung Davidsohns lief Moses Ahronssohn eilends in das Haus seines Vetters. Er fand dort Alle in der furchtbarsten Aufregung. Frau Pesschen rang die Hände und jammerte laut. Simon und die jüngeren Kinder standen im Zimmer und weinten. „Ich bitte Dich, Pesschen,“ sagte Moses, „höre auf zu jammern. Wir wollen miteinander vernünftig besprechen, was zu tun ist. Kinder, geht hinaus! Ich habe mit Eurer Mutter und mit Eurem Bruder zu reden.“ Die Kinder entfernten sich, Moses verschloss die Türe hinter ihnen und sprach: „Nun, sagt einmal wahr und aufrichtig, wie verhält es sich mit dem Himpten? Habt Ihr bloss den einen Himpten zum Ein- und Verkauf oder habt Ihr noch einen andern zum Verkauf?“ „Moses,“ schrie Frau Pesschen, „was denkst Du von uns! Die strengste Rechtlichkeit ist immer meines Mannes Grundsatz gewesen. Wir haben nur den einen Himpten.“ „Ich war fest davon überzeugt,“ antwortete Moses, „wollte aber doch die Gewissheit aus Eurem