Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5678 = 1917/18 (1917-1917)
- Issue
- 5678 = 1917/18 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 155 (sequence 156)
- Language
- German
- Belongs to
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155 Der Schadchen musste unverrichteter Dinge wieder abziehen. Einige Tage nachher brachte Hans Gürke wiederum eine Ladung Weizen. Auch diesmal sollten es 400 Himpten sein; auch diesmal ergaben sich beim Abmessen 381. „Herr,“ brauste Hans Gürke auf, „das geht nicht mit rechten Dingen zu! Ihr habt kein richtiges Mass!“ Davidsohn wurde zornig. „Will Er das Maul halten, Er frecher Bauer!“ schrie er. „Was, ich hätte kein richtiges Mass? Ist mein Himpten nicht geeicht? Weiss nicht die ganze Welt, dass ich ein ehrlicher Mann bin?“ „Hm,“ brummte Hans Gürke, „Jude bleibt Jude.“ „Lass Er mich das nicht noch einmal hören!“ schrie Davidsohn in grosser Erregung. „Hier nehme Er sein Geld und mache Er, dass Er fortkommt.“ Hans Gürke zählte das Geld nach. „Es fehlen da noch 19 Himpten,“ sagte er. „Wenn Ihr mir nicht das volle Geld für 400 Himpten bezahlt, so zeige ich Euch bei Gericht an.“ „Das tue er nur,“ schrie Davidsohn, „und jetzt nehme er sein Geld und mache Er, dass Er fortkommt. Sonst lasse ich Ihn zum Hause hinausschmeissen!“ „Nein,“ „sagte der Bauer, „ich nehme das Geld nicht!“ Ohne Gruss ging er davon und begab sich direkt aufs Amtshaus. „Herr Amtsassessor,“ sagte er zu dem Beamten, „ich muss eine Anzeige machen wegen Betrugs.“ „So,“ fragte der Beamte, „wer hat Ihn denn betrogen?“ „Der Jude Davidsohn.“