Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5678 = 1917/18 (1917-1917)
- Issue
- 5678 = 1917/18 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 154 (sequence 155)
- Language
- German
- Belongs to
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154 betrübter Miene das grosse Ereignis erzählte, sagte Jürgen Kretschmar, der Bai’bier: „Weisst Du auch gewiss, Hans Gürke, dass der Jude richtiges Mass hat?“ „Der Himpten ist ja geeicht,“ antwortete Hans, „und Joseph Davidsohn ist ein ehrlicher Mann.“ „Jude bleibt Jude,“ sprach mit überlegener Miene der weise Bartscherer. „Wenn Du mir folgst, so triffst Du für das nächste Mal Vorsiclitsmassregeln, nimmst Dir zum Abmessen zwei Zeugen und wenn Du wieder zu weniges Mass hast, so gehst Du direkt zum Herrn Amtsassessor.“ Während dieses in Bieblinghausen verhandelt wurde, war in Kinsingen ein Fremder aus G. eingetroffen. Derselbe war ein Schadchen und hatte für Simon, den ältesten Sohn Davidsohns, eine vorzügliche Partie anzutragen, ein junges, reiches, schönes Mädchen aus hochgeachteter Familie. Simon wurde herbeigerufen und hörte mit finsterer Miene zu, wie Joel Marcus, so hiess der Schadchen, die Vorzüge der Heiratskandidatin aufzählte und herausstrich. „Vater,“ sagte er, „der Mann soll seine Mühe sparen. Ich heirate kein geschadchentes Mädchen. Das ist gegen meine Grundsätze.“ „Dummes Zeug,“ schrie Davidsohn, „Grundsätze; Ich weiss, was Dich im Kopfe steckt. Das merke Dich, ich werde nicht dulden, dass Du unter Deinem Stande heiratest. Was würden alle meine vornehmen Bekannten dazu sagen, wenn die Tochter eines Dalphens als meine Schwiegertochter in mein Haus einzöge!“ „Vater,“ sagte Simon, „ich will überhaupt noch nicht heiraten.“